BrennstoffzelleLkw und Kleintransport

Nikola Wasserstoff-Lkw für emissionsfreien Lieferverkehr

800-Volt-Brennstoffzellen-Power: Wie Nikola mit futuristischen Wasserstoff-Lkw die Zukunft des Transportwesens einläutet.

Die Nikola Motor Company wurde 2014 von Trevor Milton gegründet und ist vor allem für ihre revolutionären Brennstoffzellen-Lkw bekannt. Je nach Modell schaffen die Null-Emissions-Trucks eine Reichweite bis 2000 Kilometer. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen aus Salt Lake City für seine Brennstoffzellen-Lkw bereits Vorbestellungen in Höhe von 13 Milliarden US-Dollar erhalten.

Nikola-Lkw mit Brennstoffzelle ab 2021

Die für den nordamerikanischen Markt vorgesehenen Nikola „One“ und „Two“ sollen voraussichtlich ab 2021 produziert werden. Im November 2018 stellte das Unternehmen mit dem Nikola „Tre“ einen weiteren Wasserstoff-Lkw vor, der speziell für den europäischen Markt konzipiert ist.

Während Tesla den Automarkt nachhaltig revolutionierte, scheint Nikola mit seinen Brennstoffzellen-Trucks die Lkw-Branche gehörig unter Druck zu setzen. Für die Kapitalbeschaffung sammelte das Unternehmen in diversen Finanzierungsrunden mehrere hundert Millionen US Dollar an Investitionsgeld ein. Alleine eine Finanzierungsrunde im November 2018 brachte Nikola Motors in wenigen Tagen rund 105 Millionen US-Dollar. Unter anderem soll die Brauerei Anheuser-Busch bereits über 800 Nikola-Brennstoffzellen-Lkw vorbestellt haben!

Nikola One mit Wasserstofftank hinter dem Fahrerhaus | Foto: Nikola

Der Nikola One mit 1000 PS

Der Nikola One Wasserstoff-Lkw wurde am 1. Dezember 2016 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Der Truck ist mit einem Elektroantrieb ausgestattet, der mit einer 800-V-Brennstoffzelle betrieben wird. Als Treibstoff dient Wasserstoff. Je nach Modellvariante verfügt der Lithium-Ionen-Akku über eine Kapazität von 320 kWh. Dieser Akku versorgt sechs Elektromotoren, die zusammen 745 kW (1000 PS) leisten. Die Beschleunigung von 0 – 100 km/h in rund 50 Sekunden schafft der Nikola One fast doppelt so schnell wie herkömmliche Diesel-Trucks. Der neue, höchsteffiziente Antrieb, sowie das Sicherheitskonzept und die Fahrzeugelektronik, wurden gemeinsam mit Bosch entwickelt.

„Wir wollen den revolutionärsten Sattelschlepper bauen, der je auf dem Markt war.“ Trevor Milton, Gründer und CEO von Nikola Motors.

Die höheren Leistungsdaten im Vergleich zu einem Diesel-Lkw liegen unter anderem auch am wesentlich geringeren Gewicht. Durch das Ersetzen von Dieselmotor, Getriebe und Abgasanlagen mit Batterien, Elektromotoren und einer Brennstoffzelle spart der Nikola One insgesamt rund 1000 Kilogramm ein.

Autonomes Fahren und Platooning serienmäßig möglich

Die Nikola-Lkw sind bereits serienmäßig mit Hard- und Software für autonomes Fahren ausgestattet. Somit können Flottenbetreiber kurzfristig auf eventuelle Gesetzesänderungen reagieren. Die „Virtual Hitch / Fleet Convoy-Technologie“ ermöglicht unter anderem auch das sogenannte Platooning. Ein einzelner Fahrer im Leader-Lkw kann via Funkverbindung bis zu fünf fahrerlose Nikola One-Lastwagen „virtuell“ anhängen.

Auch beim Fahrkomfort setzt der Nikola One neue Maßstäbe: Schalten oder Kuppeln ist nicht mehr nötig. Der Elektroantrieb ermöglicht zudem eine konstante, von der Geschwindigkeit unabhängige Drehzahl. Im Cockpit sorgen mehrere hochauflösende Kameras in Kombination mit Radar- und Sonarsoftware für komplette 360 Rundum-Ansichten. Die wichtigsten Fahr-Funktionen werden über das zentrale 21-Zoll-Touchscreen-Display gesteuert.

Cockpit und Kabine im Nikola One| Fotos: Nikola

Über die von Nikola patentierte Schiebetür erreicht der Fahrer sowohl Cockpit als auch Kabine. Die Schlafkabine ist mit Kühl- und Gefrierschrank, 15-Zoll-Touchscreen-Infotainment-Display, 4G-LTE-Internet WLAN, zwei Betten, Mikrowelle und 42-Zoll-Fernseher ausgestattet. Sämtliche Geräte werden vom 320-kWh-Akkupack mit Strom versorgt. Laut Nikola könnte der Fahrer sogar eine Woche in der Kabine wohnen, ohne dass die Batterie leer wird. Die Nikola Wasserstoff-Lkw sind serienmäßig zusätzlich mit normalem Plug-in-Ladeanschluss ausgestattet, über den die Akkus im Notfall geladen werden können. Alternativ könnten damit auch Gerätschaften über Nacht im Fahrerhaus geladen werden, ohne die Brennstoffzelle dafür zu beanspruchen.

Mit dem Nikola Two hat das Unternehmen fast zeitgleich einen weiteren Lkw präsentiert, der hauptsächlich für die Kurzstrecke gedacht ist. Das Modell „Two“ verfügt über ein kürzeres Fahrerhaus mit Tageskabine ohne Schlafplatz. Aus technischer Sicht sind beide Wasserstoff-Lkw nahezu identisch. Auch das Cockpit ist das gleiche. Ab 2021 soll die Vorserienproduktion des Nikola Two in begrenzter Stückzahl starten. Die vollständige Serienproduktion ist ab Januar 2022 anvisiert.

Links: Nikola One mit Schlafkabine, Rechts: Nikola Two | Fotos: Nikola

„Dieser Truck ist ein echter Wahnsinn und für Europa längst überfällig.“ Trevor Milton, CEO Nikola Motor

Nikola Tre Wasserstoff-Lkw für den europäischen Markt

Im November 2018 wurde schließlich der Nikola Tre (norwegisch für „drei“) angekündigt. Der dritte Nikola Wasserstoff-Lkw ist speziell für den europäischen Markt konzipiert und bezüglich Gewicht und Maße an EU-Richtlinien angepasst. Abhängig von der Ausstattungsvariante beträgt die Leistung 372 kW (507 PS) oder 745 kW (1.013 PS); die Reichweite 500 bis 1.200 Kilometer. Erste Fahrtests in Europa sind ab 2020 geplant. Nach eigenen Angaben befindet sich Nikola Motors bereits in der Planungsphase, um einen passenden Standort für eine europäische Produktionsstätte zu finden. Dort soll der Nikola Tre dann ab 2022 produziert werden. Laut Nikola gab es für den Tre in den ersten fünf Tagen nach der Präsentation bereits Vorbestellungen im Gesamtwert von 380 Millionen US-Dollar.

„Sobald der Nikola Tre in Europa ankommt, wird der Diesel endlich auf dem Rückzug sein.“ Trevor Milton

Nikola Tre | Foto: Nikola Motor

Nikola plant größtes Wasserstofftankstellen-Netz der Welt

Egal ob Europa oder Nordamerika – auf beiden Kontinenten ist das Angebot an Wasserstoff-Tankstellen noch sehr überschaubar. Um das zu ändern, kooperiert Nikola mit dem norwegischen Unternehmen „Nel Hydrogen.“ Der ambitionierte Plan lautet, das größte Wasssertoffnetzwerk der Welt zur errichten. Für Nordamerika heißt das: spätestens alle 400 Meilen eine Wasserstoff-Tankstelle. Bis 2028 sollen es ingesamt über 700 Stationen in USA und Kanada werden. Die ersten 14 Wasserstofftankstellen sind bis 2021 einsatzbereit. Bis 2030 wollen Nikola und Nel Hydrogen zudem auch ein europaweites Wasserstofftankstellen-Netz errichten. Geplant ist, die ersten Stationen ab 2022 in Betrieb zu nehmen. Generell möchte Nikola mittelfristig so weit wie möglich Null-Emissions-Wasserstoff aus erneuerbaren Energien erzeugen.

Komplettservice über sieben Jahre

Konkrete Preise für die Nikola Brennstoffzellen-Lkw wurden bisher noch nicht bekanntgegeben. Nikola Motors teilte aber mit, dass die Trucks für Kauf oder Leasing jeweils mit Komplettservice angeboten werden. Dieser beinhaltet unbegrenzte Meilen, vollständige Garantie aller Teile und planmäßige Wartung über einen Zeitraum von sieben Jahren. Selbst der Treibstoff soll in unbegrenzter Mengen bereits im Preis inklusive sein! Um einen lückenlosen Service in Nordamerika gewährleisten zu können, wird Nikola mit dem Leasingunternehmen „Ryder System, Inc.“ zusammenarbeiten.

Nikola Tre feiert Weltpremiere

Am 16./17. April 2019 findet in Scottsdale, Arizona, die „Nikola World“ statt. Bei der öffentlichen Veranstaltung werden die neuesten Nikola-Produkte vorgestellt. Unter anderem finden öffentliche Testfahrten des Nikola Two mit beladenem Anhänger statt. Als Höhepunkt der Veranstaltung wird ein Prototyp des Nikola Tre erstmals der Welt-Öffentlichkeit präsentiert. 

Nikola auch als Elektro-Lkw

Update Februar 2019: Wie Nikola kürzlich mitteilte, sollen die Trucks „Two“ und „Tre“ auch als Elektro-Lkw erhältlich sein. Geplant sind Batteriekapazitäten mit 500 kWh, 750 kWh und 1.000 kWh. Nach Angaben des Unternehmens sollen die Elektro-Lkw vor allem auf Kurzstrecke eingesetzt werden. Die Reichweite beträgt bei der 1.000 kWh-Version rund 480 Kilometer. Ansonsten ist der einzige Unterschied zu den Brennstoffzellen-Lkw ein um 2,3 Tonnen höheres Gewicht! Auch die Elektro-Lkw werden auf der Nikola Word erstmals öffentlich präsentiert.

Tags
Mehr zeigen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to top button
Close