AutoSolarantriebVisionen

Das SolarCar Projekt – innovative Solarautos aus Bochum

Das SolarCar Projekt der Hochschule Bochum besteht seit 2002 und wurde über die Jahre von unterschiedlichen Studenten-Teams weitergeführt. In dieser Zeit wurden sieben Solarauto-Prototypen entwickelt und gebaut. Das Team wurde Europa- und Vizeweltmeister und absolvierte 2012 mit dem „SolarWorld GT“ sogar eine Weltumrundung ausschließlich mit Sonnenenergie. Das nächste Ziel ist der Titelgewinn bei der World Solar Challenge 2019 in Australien.

Ein Solarauto namens HansGO!

Das Solarcar Projekt Bochum wurde Anfang des Jahrtausends durch Prof. Friedberg Pautzke ins Leben gerufen. Jeder Projektzyklus läuft über zwei Jahre und geht von der Planung eines neuen Fahrzeugs, über die Einarbeitung neuer Teammitglieder, bis zur Fertigstellung und Präsentation des neuen Solarcars. Höhepunkt eines jeden Zykluses ist die Teilnahme an der World Solar Challenge in Australien. Die WSC führt 3.021 Kilometer durch Australien und gilt als inoffizielle Weltmeisterschaft für Solarautos.

Solarauto HansGo! im Ziel bei der World Solar Challenge 2003
HansGo bei der WSC 2013

Das erste Solarauto der Hochschule Bochum wurde zwischen 2002 und 2003 von Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen gebaut und entwickelt. Der „HansGO!“ hatte drei Räder, war rund fünf Meter lang und nur achtzig Zentimeter hoch. Zwei Radnabenmotoren sorgten für eine maximale Leistung von 7,5 kW. Die Gallium-Arsenid Solarzellen waren auf einer Fläche von 6 Quadratmetern verbaut und generierten eine Leistung von knapp 2000 Watt. 

Der HansGO! erreichte bei der World Solar Challenge 2003 auf Anhieb den fünften Platz. Viel wichtiger war jedoch der Gewinn des „Technical Innovation Award“ für das innovative Telemetriesystem. Dieses erlaubt die Fernüberwachung des Solarautos und sendet die Daten via Bluetooth zum Begleitfahrzeug, was für die damalige Zeit fast schon revolutionär war.

Solare Meilensteine

Das Nachfolger-Fahrzeug „Solar World No. 1“ belegte bei der WSC 2007 den vierten Platz und wurde für seinen extravaganten Coupé Look mit dem Design Award ausgezeichnet. Mit dem „BOcruiser“ entwickelte das Projekt-Team ab 2008 erstmals ein Solarauto mit vier Rädern. Zwar erreichte der BOcruiser im Jahr 2009 „nur“ den 12. Platz, allerdings animierte das Fahrzeug den Veranstalter zur Errichtung einer neuen Fahrzeugklasse! Demnach starten seit 2013 in der „Cruiser Class“ Solarautos, deren Ziel das Erreichen der Straßenzulassung im jeweiligen Herkunftsland ist!

Genau dieses Ziel erreichte zwei Jahre später das vierte Solarauto aus Bochum. Der SolarWorld GT erhielt 2011 die offizielle Straßenzulassung nach EG-Fahrzeugklasse L7e (…leichtes vierrädriges Kraftfahrzeug bis 400 oder 550 kg….ohne Batterien bei Elektrofahrzeugen und Leistung bis zu 15 kW…). Der SolarWorld GT hatte Platz für zwei Personen und schaffte mit einer vollen Batterieladung bis zu 400 Kilometer Reichweite. Aufgrund seiner Größe und des hohen Gewichts erreichte der Prototyp bei der WSC 2011 nur den 26. Platz, allerdings in der noch „alten“ Challenger Class. Dafür wurde der Design Award zum dritten Mal in Folge gewonnen. Außerdem ging der SolarWorld GT noch auf andere Weise in die Geschichte des Automobils ein.

Weltumrundung mit Sonnenenergie

Am 26. Oktober 2011 startete der SolarWorld GT seine eigene Challenge. Geplant war eine Weltumrundung mit einer Fahrtstrecke von 28.500 Kilometern. Die ursprüngliche Akkukapazität des Solarautos wurde dafür extra von 4,9 kWh auf 9,8 kWh verdoppelt.

SolarWord GT bei Weltumrundug 2012 | Foto: Hochschule Bochum

Die erste Etappe führte von Adelaide und Sydney bis Neuseeland. Nach der Verschiffung in die USA ging es am 31. Januar 2012 über insgesamt 6.500 Kilometer weiter von San Francisco über Dallas bis Charleston. Die längste ununterbrochene Etappe legte das Bochumer Solarauto in Europa zurück: Von Süditalien über Frankreich, Luxemburg, Deutschland, Tschechien, Österreich, Ungarn, Rumänien, Moldawien und die Ukraine bis zum Ziel in Wladiwostok.

Nach über 15.000 Kilometern ging es am 23. September 2012 mit dem Schiff zurück nach Australien, wo der SolarWorld GT zum Abschluss der Weltumrundung die WSC-Strecke von Darwin nach Adelaide noch einmal absolvierte. Insgesamt legte das Solarauto an 177 Fahrtagen 29.710 Kilometer zurück, was einer Durchschnittsstrecke von 130 Kilometern pro Tag bedeutete – natürlich ausschließlich mit Sonnenenergie!

Der SunCruiser wird Vize-Weltmeister

2013 startete mit dem „PowerCore SunCruiser“ bereits das fünfte Bochumer Solarcar-Fahrzeug bei einer World Solar Challenge. Es war zudem das zweite Fahrzeug der Hochschule Bochum, das die Straßenzulassung laut EG-Fahrzeugklasse L7e erhielt. Der PowerCore SunCruiser hatte drei Sitzplätze und schaffte pro Batterieladung eine Reichweite bis zu 700 Kilometer. 3 m² Solarzellen generierten eine Leistung von 833 Watt. Das Fahrzeug erreichte in der erstmals ausgetragenen Cruiser Class den zweiten Platz. Es war zudem der erste Bochumer Prototyp, der die komplette Strecke von 3.000 Kilometern ohne Panne absolvierte.

Vom 10. bis 12. Oktober nahm der PowerCore SunCruiser gemeinsam mit seinem Vorgänger, dem SolarWorld GT, an der European Solar Challenge (ESC) im belgischen Zolder teil. Der SunCruiser gewann bei der inoffiziellen Europameisterschaft den ersten Platz.

Der Solar-Rennwagen wird zum Solarauto

Solarauto ThyssenKrupp SunRiser Bochum
Foto: Alexander Nitica

Mit dem thyssenkrupp SunRiser aus dem Jahr 2015 begann das Entwicklerteam, das über die Jahre erlangte Knowhow konsequent weiter zu perfektionieren. Außerdem testete das Solarcar Team umweltfreundlichere Alternativen zum wenig nachhaltigen Carbon. Statt Kohlefaser wurden unter anderem hochfester Complexphasenstahl für den Überrollbügel, sowie Magnesium im Cockpitquerträger und Mitteltunnel verbaut. Zudem wurde der Innenraum mit Echtholzfurnier, Lenkstockhebel und Handbremsgriff bewusst alltagstauglich gestaltet. Abstandswarner, Zentralveriegelung, zentrales Infodisplay und Sitzheizung zeugten zudem von der Weiterentwicklung des gesamten Projekts: Statt reiner Solar-Rennautos baute das Bochumer Team nun komplett alltagstaugliche Autos mit Solarantrieb.

Auch die Reichweite kann sich mittlerweile sehen lassen: Der SunRiser schafft mit reiner Sonnenenergie bis zu 600 Kilometer, mit vollgeladenem Akku sogar bis zu 1.100 Kilometer. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 120 km/h. Der SunRiser erreichte bei der World Solar Challenge 2015 den dritten Platz. 2016 gewann das Fahrzeug bei der European Solar Challenge den zweiten Platz.

Veganes Ananasleder für noch mehr Nachhaltigkeit

Während der HansGo! aus dem Jahr 2002 lediglich ein plattes Dreirad mit ganz viel Solarzellen war, ist das siebte Bochumer Solarauto ein richtig schicker Flitzer. Der Sonnenwagen „thyssenkrupp blue.cruiser“ hat mittlerweile alles, was ein alltagsfähiges Auto haben muss – und das nicht nur wegen der vier Sitzplätze. Abstandswarner, Zentralverriegelung, Infodisplay, Sitzheizung und elektrisch-adaptives Fahrwerk sind ebenso an Bord, wie speziell entwickelte Stahlfelgen und ein Gitterrohrrahmen samt Überrollkäfig.

Solarauto thyssenkrupp blue.cruiser bei der Präsentation der Hochschule Bochum
Solarauto thyssenkrupp blue.cruiser | Foto: Hochschule Bochum

Das eigentliche Highlight des blue.cruisers ist im Innenraum zu finden: Die verwendeten Werkstoffe sind aus nachwachsenden Naturprodukten hergestellt. Konkret beutetet das: Veganes Ananasleder für die Sitzbezüge, pflanzliches Leinen in den Armaturen und Türverkleidungen, sowie Holz und Kork an den Anschlagspunkten.

Abgesehen davon gewann der blue.cruiser bei der Word Solar Challenge 2017 den zweiten Platz in der Cruiser Class. Übrigens war 2017 auch erstmals ein zweites deutsches Team mit von der Partie: Der Sonnenwagen der RWTH Aachen startete in der Challenger Class und gewann auf Anhieb den Titel „Best Newcomer 2017“.

Sieben Prototypen und zahlreiche Titel später…

Nach sechzehn Jahren und sieben Solarauto-Prototypen demonstrierte das Solarcar Projekt Bochum bei der European Solar Challenge 2018 seine beeindruckende Arbeit der vergangenen Jahre: In Zolder gingen insgesamt vier Solarautos der Hochschule Bochum an den Start! Neben dem Weltumrunder SolarWorld GT (2012), dem thyssenkrupp SunRiser (2015) und dem Vizeweltmeister thyssenkrupp blue.cruiser (2017) war auch der Oldie SolarWorld No.1, Baujahr 2007, mit von der Partie.

Mission Weltmeister 2019

Eine ungewöhnliche Entscheidung fällte das Solarcar Team dann im April dieses Jahres: Statt wie gewohnt ein neues Fahrzeug zu entwickeln, wird der thyssenkrupp SunRiser erneut an der World Solar Challenge 2019 in Australien teilnehmen.

Nach zahlreichen zweiten und dritten Plätzen haben die Bochumer für dieses Jahr nur ein einziges Ziel: endlich Weltmeister werden! So kam das Team zu dem Schluss, dass der SunRiser beste Aussichten hat, dieses Ziel endlich zu erreichen. Der überarbeitete thyssenkrupp SunRiser wird voraussichtlich im Juli der Öffentlichkeit präsentiert. Die World Solar Challenge 2019 in Australien findet vom 13. – 20. Oktober statt.

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