Biomethan als Kraftstoff

Als Biomethan (oder Bioerdgas) wird Methan bezeichnet, das rein biologischen Ursprungs ist. Biomethan entsteht, indem Rohbiogas in mehreren Schritten qualitativ aufbereitet und von anderen Bestandteilen getrennt wird. Nach dieser sogenannten Biogasaufbereitung kann das Biomethan in das bestehende Gasnetz eingespeist und als Kraftstoff in Erdgas (CNG)-Fahrzeugen genutzt werden. Der anfallende Gärrest enthält einen hohen Anteil an Nährstoffen und wird als Dünger in Landwirtschaft und Gartenbau verwendet.

Biogas entsteht bei der natürlichen Vergärung von Biomasse. Dies geschieht in anaerober Umgebung (= ohne Sauerstoff) in speziellen Biogasanlagen. Als Biomasse wird hauptsächlich verwendet: landwirtschaftliche Abfälle (Gülle, Mist), gezielt angebaute Energiepflanzen (z.B. Mais, Raps), organische Reststoffe (Biomüll, Restaurantabfälle) oder Klärschlamm.

Infografik Biomethan als Kraftstoff

Biogasaufbereitung

Das bei der Vergärung entstandene Biogas enthält – je nach Art der verwendeten Biomasse – 50 bis 70 Prozent Methan, 30 bis 50 Prozent Kohlenstoffdioxid und geringe Mengen an Reststoffen wie Stickstoff, Wasserdampf oder Sauerstoff. Um dieses Rohbiogas als Kraftstoff nutzen zu können, muss es noch qualitativ aufbereitet werden. Unter anderem werden die Reststoffe entfernt und der Brennwert auf den erforderlichen Wert angepasst. Nach diesem Prozess liegt der Methangehalt bei durchschnittlich 95 Prozent. Anschließend wird das Gas noch verdichtet.

Gärrest als Dünger

Bei der Aufbereitung von Biomasse zu Biomethan fällt der sogenannte Gärrest an. Dieser ist ein idealer Dünger für Landwirtschaft oder Gartenbau. Der Vorteil von Gärrest als Dünger ist, dass dieser im Vergleich zu Rohgülle weniger aggressiv gegenüber Pflanzen und Grundwasser ist.
Letztendlich entsteht in der gesamten Aufbereitungskette von Biomethan ein natürlicher Kreislauf, bei dem sämtliche anfallende Stoffe genutzt oder wiederverwertet werden.

Chemisch identisch mit Erdgas

Biomethan wird hauptsächlich in das bestehende Gasnetz eingespeist und als Kraftstoff oder zur Strom- und Wärmegewinnung genutzt. Generell gilt nach der Biogasaufbereitung: Das Biomethan ist überall dort nutzbar, wo auch Erdgas zum Einsatz kommt. Beide Varianten sind chemisch identisch und unterscheiden sich nur noch durch ihre entweder fossile oder biogene Herkunft. Erdgas und Biomethan können daher problemlos miteinander vermischt werden. Das heißt: Jedes Erdgas (CNG)-Fahrzeug fährt automatisch auch mit Biomethan als Kraftstoff. Spezielle Biomethan-Tankstellen werden aber selbstverständlich ausschließlich und unvermischt mit Biomethan beliefert.

Verdichtung

Zur Reduzierung des ursprünglichen Volumens wird Biomethan bei einem Druck von 200 bar komprimiert. Daher stammt auch die Bezeichnung CNG (Compressed Natural Gas = komprimiertes Erdgas). Aus diesem Grund wird an Tankstellen der Preis von CNG/Erdgas in Kilogramm statt Liter angegeben.

Alternativ kann das Biomethan auch zu LNG (Liquefied Natural Gas) verflüssigt werden. Die Verflüssigung wird eingesetzt, um Gas in großen Mengen per Schiff über den Seeweg zu transportieren. LNG wird zudem seit kurzem im Schiffsverkehr als alternativer Kraftstoff eingesetzt. Die Norwegische Reederei Hurtigruten beispielsweise rüstet viele seiner älteren Schiffe auf LNG-Antrieb um. Hurtigruten nutzt unter anderem Biomethan aus Fischeereiabfällen.

Abgaswerte: Klimaneutral mit Biomethan

Ein wesentlicher Vorteil von Biomethan gegenüber herkömmlichen Diesel- und Benzinfahrzeugen liegt in der Reduktion von Schadstoffemissionen. Reines Biomethan setzt nur so viel CO2 frei, wie die Rohbiomasse zuvor aus der Atmosphäre gezogen hat. Im Vergleich zu einem Benziner bedeutet das bis zu 90 Prozent weniger CO2. Stickoxide werden um bis zu 95 Prozent reduziert. Benzol und Feinstaub fallen gar nicht an. Auch Betankungsemissionen entfallen.

Biomethan gelangt an Tankstellen, indem es in das bestehende Gasnetz eingespeist wird. Im Vergleich dazu müssen Diesel und Benzin lange Transportwege zurücklegen, was zusätzlichen Schadstoffausstoß verursacht. Bei der Aufbereitung von Rohbiogas zu Biomethan entstehen ebenfalls keine klimarelevanten Treibhausgasemissionen.

Hat Biomethan auch Nachteile?

Nichts ist perfekt. Nicht einmal Biomethan. Zwar ist der Ertrag durch Biomasse theoretisch grenzenlos. Praktisch liegt aber auch genau hier der Nachteil: Vor allem die Anbaufläche für Mais als Energiepflanze stieg in den letzten Jahren stark an. Mais, der als Monokultur über mehrere Jahre auf der selben Ackerfläche angebaut wird, entzieht dem Boden auf lange Sicht wichtige Nährstoffe. Auch die Artenvielfalt der Insekten leidet stark unter der Mais-Monokultur. Außerdem gilt: Je mehr Fläche für den Anbau von Energiepflanzen genutzt wird, desto weniger Anbaufläche bleibt für Pflanzen zur Nahrungsproduktion übrig.

Biomethan ist zwar kein Allheilmittel, mit dem der Bedarf an Diesel und Benzin eins zu eins ersetzt kann. Jedoch macht der alternative Kraftstoff überall dort Sinn, wo Biomasse sowieso anfällt. Bedenkt man beispielsweise, wieviele organische Abfälle aus Haushalten, Supermärkten oder Restaurants ungenutzt verrotten, bleibt ein enormes Potential, das aktuell noch viel wenig genutzt wird. Vor allem für den Betrieb von kommunalen Fahrzeugen und Bussen im Personennahverkehr ist Biomethan daher ideal.

Back to top button
Close