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Geräuschpflicht für E-Autos

Warum Elektroautos nicht immer leise sein dürfen

Schluss mit der Ruhe: Spätestens ab 1. Juli 2019 müssen neue Hybridelektro- und reine Elektrofahrzeuge mit künstlichem Fahrgeräusch ausgestattet werden. Grund dafür ist die erhöhte Unfallgefahr für Fußgänger durch das fehlende Motorgeräusch der E-Autos.

Seit April 2014 regelt die Verordnung „(EU) Nr. 540/2014“ des Europäischen Parlaments den Geräuschpegel von Kraftfahrzeugen. In Artikel 8 wurde die Pflicht für ein Akustisches Fahrzeug-Warnsystem (Acoustic Vehicle Alerting System — AVAS) speziell für Elektrofahrzeuge festgelegt: 

 „ Bis spätestens 1. Juli 2019 bauen die Hersteller in neuen Typen von Hybridelektro- und reinen Elektrofahrzeugen ein AVAS ein, das die Anforderungen des Anhangs VIII erfüllt. Bis spätestens 1. Juli 2021 bauen die Hersteller in allen neuen Hybridelektro- und reinen Elektrofahrzeugen ein AVAS ein.“ Verordnung (EU) Nr. 540/2014 des Europäischen Parlaments

Ferner regelt die Verordnung, dass das künstliche Fahrgeräusch zwingend bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h zu hören sein muss. Bei Geschwindigkeiten schneller als 20 km/h gilt das Abrollgeräusch der Reifen als ausreichend.

Wie genau das Fahrgeräusch klingen soll ist übrigens nicht vollständig geregelt. Die Hoffnung, in Zukunft mit seinem Lieblingssound durch die Stadt düsen zu können, wird mit der EU-Verordnung allerdings auch gleich wieder im Keim erstickt. Denn dort heißt es, dass das Geräusch eines E-Autos auf das Fahrverhalten hinweisen soll. Ein Klangbeispiel, wie E-Autos in Zukunft bis 20 km/h klingen könnten ist im folgenden Beispiel (Quelle: Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa) zu hören.

 

Der E-Auto Sound der Zukunft aus dem Labor

Am Lehrstuhl für Mensch-Maschine-Kommunikation der Technischen Universität München, tüftelt Prof. Dr.-Ing. Hugo Fastl in seinem Labor am E-Auto Sound der Zukunft. Welche Geräusche die einzelnen Hersteller bevorzugen bleibt natürlich vorerst geheim. Nur soviel gibt Professor Fastl preis: „Jede Firma will ihr eigenes Branding. Schließlich klingt im Moment ein BMW auch anders als ein Mercedes oder ein Porsche – das soll bei den E-Autos ebenfalls so sein.“

Prof. Hugo Fastl, Foto: Uli Benz / TU Muenchen

 

Für die Entwicklung des passenden Elektroauto-Sounds der unterschiedlichen Hersteller ist neben dem Frequenzbereich und der Klangfarbe auch die Rauigkeit relevant. Ein beispielsweise besonders rauer Sound entsteht dadurch, wie schnell sich die Lautstärke des Tons ändert. „Wenn Rauigkeit in einem Geräusch ist, wird es als sportlich empfunden“, so Professor Fastl. „Einen Ferrari ohne Rauigkeit können Sie schlecht verkaufen.“

Dass in Zukunft E-Fahrzeuge doch ohne künstliche Fahrgeräusche auskommen könnten, hofft übrigens auch Professor Fastl. „20 Jahre lang war es immer das Ziel, dass die Autos leiser werden. Jetzt ist es teilweise zu leise und wir müssen es wieder lauter machen.“ Intelligente Fahrerassistenzsysteme könnten den E-Auto-Sound vielleicht doch wieder überflüssig machen. „Es werden immer mehr Autos mit automatischer Fußgängererkennung auf den Markt kommen,“ so Fastl. „Wir schlagen vor, dass die Geräusche von E-Fahrzeugen nur dann abgestrahlt werden, wenn ein Fußgänger in der Nähe ist.“

Quelle
EU VerordnungTU München
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