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HEAT: Stadt Hamburg testet autonom fahrende Elektrobusse

Die emissionsfreien Elektrobusse sollen das ÖPNV Angebot in Hamburg ergänzen und bis 2021 vollständig autonom fahren.

Im Juni 2018 startete in Hamburg das Forschungs- und Entwicklungsprojekt HEAT (Hamburg Electric Autonomous Transportation). Ziel des Projekts ist der Nachweis, dass autonom fahrende Elektrobusse in den bestehenden Stadtverkehr integriert werden können. In unterschiedlichen Testphasen wird das Level der Automatisierung schrittweise erhöht. Ab Frühjahr 2019 werden die ersten Passagiere mit den Shuttles befördert. Bis 2021 sollen die eigens für das HEAT-Projekt entwickelten Elektrobusse in Hamburg komplett autonom fahren.

Zusätzliches Angebot für ÖPNV in Hamburg

Die Teststrecke für die autonomen E-Busse liegt in Hamburgs HafenCity. Sie umfasst neun Haltestellen auf einer Gesamtlänge von 3,6 Kilometer. Drei Haltestellen werden für das HEAT-Projekt neu errichtet. Die anderen sechs Haltestellen bestehen bereits. Die autonom fahrenden Elektrobusse werden keine regulären Buslinien ersetzen, sondern dienen als zusätzliches Angebot für den Hamburger ÖPNV. Die Fahrt mit den HEAT-Shuttles ist kostenlos.

Heat-Teststrecke Hamburg | Bild: BWVI

Der Testbetrieb ist in mehrere Phasen unterteilt. Mit den Erfahrungen der einzelnen Phasen soll das Projekt stückweise erweitert werden. Erst wenn eine Phase sicher gemeistert wurde, wird das Testgebiet ausgeweitet. Auf diese Weise soll die Strecke für den autonomen Bus in Hamburg nach und nach verlängert, der Automatisierungsgrad erhöht und die Geschwindigkeit gesteigert werden. Auf der finalen Strecke muss der vollautomatisierte HEAT-Bus schließlich zwölf Ampeln überfahren und acht Richtungswechsel vollziehen – und zwar vollständig autonom, ohne menschlichen Eingriff. Bis dahin soll der autonome Bus in Hamburg mit einer Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h fahren.

Vollständig autonom bis 2021

Der erste Testbetrieb findet auf einer festgelegten Strecke mit einem professionellen Fahrzeugbegleiter, aber noch ohne Fahrgäste statt. In der zweiten Phase, voraussichtlich im Frühjahr 2019, sollen dann auch erstmals Fahrgäste mit dem autonomen Elektrobus befördert werden. Zwar wird der Fahrzeugbegleiter weiterhin mit an Bord sein, dieser soll aber nur im Notfall in den Fahrbetrieb eingreifen. Bis zum ITS-Weltkongress im Jahr 2021 soll der Shuttle-Betrieb in Hamburg dann komplett autonom und ohne Fahrzeugbegleiter erfolgen. Dieses Datum hat auch Frank Horch, Hamburgs Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, fest im Blick: „2021 wird Hamburg Gastgeberstadt für den Weltkongress für intelligente Verkehrssysteme (ITS) sein. Bis dahin soll die Verknüpfung von Digitalisierung und Mobilität Schritt für Schritt im Hamburger Stadtbild sichtbar und erlebbar sein.“

„Gemeinsam mit den Partnern konzipieren wir den öffentlichen Nahverkehr von morgen. Autonom fahrende Elektrofahrzeuge spielen dabei eine entscheidende Rolle, denn sie werden die Mobilität revolutionieren.“ Manfred Fuhg, Leiter Mobility Division Siemens

Autonomes Shuttle mit Platz für 16 Personen

Die autonomen Shuttles wurden vom Berliner Automotive Engineering Unternehmen IAV GmbH speziell für das Hamburger HEAT-Projekt entwickelt. In der aktuellen Version ist der Elektrobus rund fünf Meter lang, zwei Meter breit und 2,6 Meter hoch. Das Leergewicht beträgt etwa vier Tonnen. Der HEAT-Bus bietet Platz für bis zu 16 Personen und ist mit einer Rampe für Rollstuhlfahrer ausgestattet. Die Aufladung der Batterien erfolgt voraussichtlich bei ‚Vattenfall‘ in der HafenCity. Fürs Erste werden in Hamburg drei Busse eingesetzt.

Animation autonomer HEAT-Shuttlebus

Zur Integration der autonomen Elektrobusse in den bestehenden ÖPNV muss die Strecke mit der nötigen Infrastruktur ausgestattet werden. Dafür werden Sensorikelemente und digitale Kommunikationssysteme entlang der Strecke installiert. Zusätzlich wird die Fahrt der Shuttles während der gesamten Zeit durch eine Busleitstelle in Hamburg überwacht. Diese kann je nach Bedarf die Steuerung des Fahrzeugs übernehmen.

Gesamtziel: Autonomes Fahren auf Level 5

Neben der Erweiterung bestehender ÖPNV-Angebote für Hamburg soll das HEAT-Projekt auch bei der Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen für autonomes Fahren in Deutschland helfen. Beim automatisierten Fahren auf Level 5 als höchster Stufe ist kein Mensch mehr aktiv am Straßenverkehr involviert. Sämtliche relevanten Entscheidungen werden von intelligenten Fahrzeug- und Assistenzsystemen übernommen. Die rechtliche Begleitung des HEAT-Projekts übernimmt deshalb das Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM). Matthias Hartwig, Bereichsleiter Mobilität am IKEM, glaub indes nicht, dass der Verkehr auf deutschen Straßen in Zukunft nur noch automatisiert erfolgen wird: „Der Verkehr auf unseren Straßen ist so komplex, dass es auch in 50 Jahren keine unbegrenzte Zulassung für fahrerlose Fahrzeuge geben wird. Eine eingeschränkte Zulassung für spezifische geprüfte Anwendungsfälle sollte aber schon in wenigen Jahren Routine werden.“

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