Urbane MobilitätVisionen

Hyperloop als Transportmittel der Zukunft – Pro und Kontra

Mit Unterdruck durch die Vakuumröhre: Welche Chancen hat der Hyperloop in der Realität?

Science Fiction mitten in der Gegenwart: Für die einen ist der Hyperloop das superschnelle, umweltfreundliche Verkehrsmittel der Zukunft. Für die anderen ist er nicht viel mehr als Öko-Hype. Was ist wirklich dran an der ultraschnellen Magnetschwebebahn, die per Unterdruck mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 1200 km/h durch eine Vakuumröhre geschickt wird? Strecken von Berlin nach München oder von San Francisco nach Los Angeles wären mit dem Hyperloop in einer halben Stunde geschafft.

Mit Elon Musk startet die Vision einen neuen Versuch

Es war Elon Musk, der das Hyperloop-Konzept 2013 ins Gespräch brachte – wieder sollte man hinzufügen. Denn die Vision der Fortbewegung in einer Vakuumröhre geht auf George Medhurst zurück, der seine Idee schon 1812 veröffentlichte. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelten mehrere Wissenschaftler weitere Konzepte, um Fracht oder Personen durch (teil-)vakuumierte Röhren zu schicken. Wirklich umgesetzt werden konnten die damaligen Pläne nicht – und genau dieses Problem kann möglicherweise die Wissenschaftler des dritten Jahrtausends erneut einholen. Oder setzen sich der Hyperloop und Magnetschwebetechnik doch durch?

Der Hyperloop im Vergleich zum Transrapid

Der Antrieb des Hyperloops mit asynchronen Langstator-Linearmotoren wurde bereits beim Transrapid verwendet. Der Hyperloop kann also auf bewährte Antriebstechnik zurückgreifen, was die Entwicklung des Hochgeschwindigkeitstransportsystems zumindest in diesem Bereich vereinfacht.

Auch wenn der Transrapid in Deutschland vorerst als gescheitert gilt – in China verbindet die Magnetschwebebahn das Messezentrum von Shanghai mit dem Flughafen. Für die Strecke von 30 Kilometern braucht der Transrapid in Shanghai etwa sieben Minuten. Nach circa drei Minuten ist die Höchstgeschwindigkeit von 430 km/h erreicht. Aus Lärmschutzgründen kann diese Höchstgeschwindigkeit allerdings nur zeitweise gefahren werden. Im Gegensatz dazu fährt der Hyperloop in geschlossenen Röhren, wodurch die Lärmbelastung für die Bewohner wesentlich geringer ausfallen würde.

Hyperloop vs. Maglev

Die Magnetschwebetechnik wird seit Jahren auch beim Projekt JR-Maglev in Japan erprobt. Dort soll in naher Zukunft der Magnetschnellzug Maglev die Städte Tokio und Osaka miteinander verbinden. Aktuell erreicht der Maglev bereits eine Höchstgeschwindigkeit von rund 600 km/h, was immerhin halb so schnell wie die von Musk visionierte Geschwindigkeit für den Hyperloop ist. Während die 1200 km/h des Hyperloop aber noch Utopie sind, fährt der Maglev die 600 km/h bereits in der Realität. Dagegen steht der aktuelle Hyperloop-Geschwindigkeits-Rekord in Höhe von 467 km/h, den die Gewinner-Kapsel der Münchner Ingenieur-Studenten bei der Hyperloop Pod Competiton auf der SpaceX Test-Strecke in Kalifornien erreichte.

Magnetschwebetechnik für umweltfreundliche Verkehrsmittel der Zukunft?

Abseits vom Hyperloop scheint der Magnetschwebeantrieb durchaus eine Zukunft zu haben. Neben dem Transrapid in Shanghai und dem Magnetschnellzug Maglev ist mit dem Transportsystem Bögl ein weiteres Magnetschwebesystem auf dem Weg, die urbanen Verkehrsprobleme der Zukunft zu lösen.

Die Vorteile der Magnetschwebetechnik liegen auf der Hand: das angenehme und ruckelfreie Reisen ist vor allem auch für Langstrecken ideal. Im Vergleich zu Schienenfahrzeugen wie Tram, S-Bahn oder U-Bahn ermöglicht die Magnetschwebetechnik zudem einen wesentlich geräuschärmeren Betrieb, was vor allem in dicht besiedelten Städten von Vorteil ist. Und in Zeiten, wo immer mehr Großstädte unter hohen Abgasbelastungen leiden, gehört dem vollelektrischen Antrieb von Hyperloop & Co. die Zukunft.

Woran scheiterten bisherige Projekte?

Die Gründe, weshalb sich die Magnetschwebetechnik bei diversen Projekten bisher noch nicht durchsetzen konnte waren eigentlich immer die selben: Finanzierung, Anwohnerbeschwerden und ungelöste Sicherheitsfragen.  Das Projekt Swissmetro zum Beispiel sollte als unterirdische Magnetschwebebahn für den öffentlichen Fernverkehr in der Schweiz eingesetzt werden. Nach jahrelanger Planung musste der Betreiber, die Swissmetro AG, 2009 die Entwicklung der Schweizer Magnetschwebebahn wegen fehlender Investoren und Liquiditätsproblemen beenden. Das geplante Projekt Transrapid München scheiterte ebenfalls an zu hohen Kosten sowie an massiven Protesten der Bevölkerung.

Markus Hecht, Professor am Institut für Land- und Seeverkehr der Technischen Universität Berlin sieht noch weitere Probleme bei der Umsetzung. Der Leiter des Fachgebietes Schienenfahrzeuge gilt als schärfster Kritiker der Hyperloop-Pläne: Wie soll ein Streckenverlauf aussehen, der nicht kurvig sein darf, auf dem es keine Weichen gibt und keine Kreuzungen? Obwohl viele andere Experten glauben, dass ein solargetriebener Magnetschnellzug auf jeden Fall machbar ist, meint Hecht: „Der Wirkungsgrad ist viel zu schwach – also das Verhältnis von aufgewandter zu nutzbarer Energie.“

Die Magnetschwebetechnik nimmt Fahrt auf

Ungeachtet von Kritik und gescheiterten Projekten nimmt die Magnetschwebetechnik seit einigen Jahren wieder Fahrt auf – und zwar volle Kraft voraus. Das Transportsystem Bögl (TSB) wurde auf Basis des Transrapid weiterentwickelt. Im Sommer 2018 wurde ein Kooperationsvertrag mit dem chinesischen Unternehmen Chengdu Xinzhu Road & Bridge Machinery Co. Ltd. geschlossen. Auf einer neuen 3,5 Kilometer langen TSB-Teststrecke in der Provinz Sichuan soll das neue Magnetbahnsystem weiterentwickelt werden. Da Ziel ist die zeitnahe Zulassung der TSB Magnetschwebebahn in China für den ÖPNV.

Magnetschwebebahn TSB
Magnetschwebebahn TSB / Firmengruppe Max Bögl

Mit Hochgeschwindigkeit zum Hyperloop

Vor allem der Hyperloop nach Musks Vision motivierte viele Entwickler. In Apex, Nevada, erprobt das US-Unternehmen Hyperloop One seit 2016 auf einer Teststrecke die Machbarkeit des Hochgeschwindigkeitszugs. In Bobadilla, Andalusien, entsteht zudem ein Hyperloop Forschungs- und Entwicklungszentrum, das ab 2020 eröffnet werden soll.

Hyperloop Transportation Technologies (HTT), ebenfalls aus den USA, testet den Hyperloop auf einer Strecke in Toulouse, Frankreich. Mit „Quintero One“ stellte HTT im Oktober die erste serientaugliche Hyperloop-Transportkapsel der Welt vor. Diese wird aktuell in das bestehende, 320 Meter lange Hyperloop System integriert und soll im Laufe des nächsten Jahres auch für Testfahrten mit Passagieren einsetzbar sein. Außerdem gibt es aktuell intensive Verhandlungen zwischen HTT und der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA). Gemeinsam prüft man den Bau einer Hyperloop-Strecke am Hamburger Hafen für den Containertransport. Während der Transrapid es in Deutschland nicht geschafft hat, könnte der Hyperloop in Deutschland in naher Zukunft Realität werden.

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