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Kopenhagen – die Traumstadt für Fahrradfahrer

Warum Kopenhagen zur besten Fahrradstadt der Welt gewählt wurde

Die beste Fahrradstadt der Welt bis Ende 2015: Dieses ambitionierte Ziel setzten sich die verantwortlichen Politiker Kopenhagens mit einem offiziellen politischen Beschluss im Jahre 2011. Und während andere Städte unter Stau, steigenden Abgasen und zunehmendem  Autoverkehr leiden, konnte die dänische Hauptstadt ihr Ziel locker erreichen. Mittlerweile fahren in Kopenhagen über 40 % der Bewohner mit dem Fahrrad zur Arbeit, Schule oder Uni!

Fahrrad-Fakten rund um Kopenhagen:

  • In Kopenhagen gibt es fünfmal soviel Fahrräder wie Autos
  • 41 % fahren mit dem Auto zur Arbeit und Schule, nur 9 % mit dem Auto
  • 25 % alle Kopenhagener Familien mit zwei Kindern besitzen ein Cargo-Bike
  • Alle Bewohner Kopenhagens fahren im Schnitt drei Kilometer Fahrrad täglich
  • Zusammengerechnet legen die Kopenhagener jeden Tag im Schnitt ca. 1,4 Millionen Kilometer mit dem Fahrrad zurück
  • Im Durchschnitt passiert in Kopenhagen nur alle 4,9 Millionen Kilometer ein schwerer Fahrradunfall

Der lange Weg zur fahrradfreundlichen Großstadt

Die bewusste Umgestaltung Kopenhagens zu einer fahrradfreundlichen Stadt begann bereits in den 1970er Jahren, als die ersten von der Fahrbahn abgetrennten Fahrradwege gebaut wurden. Und während der Autoverkehr in anderen europäischen Großstädten immer mehr zunahm, entwickelten die Politiker Kopenhagens weitere Strategien, um den Fahrradverkehr kontinuierlich zu steigern.

Einen großen Teil zur Entwicklung trug sicherlich der „Bicycle Account“ bei, der seit 1996 alle zwei Jahre erhoben wird. In diesem Bericht wurden neben statistischen Erhebungen vor allem auch detaillierte Umfragen unter der Bevölkerung rund um das Thema Fahrradverkehr in Kopenhagen erhoben. Kritik, Wünsche und Anregungen der Menschen wurden von Anfang an die Stadtplanung mit einbezogen. Dieser Bicycle Account nimmt bis heute eine wichtige Rolle in der Weiterentwicklung der Fahrrad-Infrastruktur Kopenhagens ein.

Als der Fahrradverkehr zur Priorität der Stadtentwicklung Kopenhagens wurde

bycyklen.dk, Foto: Sebastian Falck Stigsby

Mit der „Cycle policy 2002–2012“-Strategie legte die Stadt im Jahr 2000 offiziell fest, dem Fahrradverkehr in der zukünftigen Stadtplanung Priorität zu geben. Unter anderem entstand damals auch der Plan, 22 Fahrradstraßen mit einer Gesamtlänge von 110 km im Stadtgebiet anzulegen. In der 2011 festgelegten Strategie „Good, Better, Best – The City of Copenhagen’s Bicycle Strategy 2011–2025“ beschloss schließlich die Stadtpolitik offiziell, Kopenhagen zur besten Fahrradstadt zu machen. Und man geht noch ein Stück weiter: Bis zum Jahr 2025 möchte die Stadt den Radverkehrsanteil am gesamten Pendlerverkehr auf 50% erhöhen. Gleichzeitig soll die Fahrzeit für Radfahrer dank Steigerung des Verkehrsflusses um 15% gesenkt werden!

Auch abseits der Fahrradwege bietet Kopenhagen fast paradiesische Verhältnisse für Fahrradfahrer: Seit 2010 können Fahrräder kostenfrei in der S-Bahn transportiert werden. Die „Dänische Staatsbahn“ als Betreiber des S-Bahn-Netztes baute sogar die Züge um und richtete spezielle Fahrradabteile in den Zügen ein. Zudem sind Taxis gesetzlich dazu verpflichtet, Fahrradträger mitzuführen.

Cykelslangen Kopenhagen, Foto: Ursula Bach

Eines der Highlights für Fahrradfahrer ist die Cykelslangen, zu deutsch: Fahrradschlange  (Architekten: Dissing+Weitling). Die 220 Meter lange Fahrradbrücke verbindet die „Kalvebod Brügge“ mit der „Island Brygge“ und bietet neben fußgängerfreier Fahrt vor allem einen wunderschönen Ausblick beim Radeln.

Cycle Superhighways für Pendler – grüne Welle für Fahrradfahrer bis ins Stadtzentrum

Die hervorragende Infrastruktur für Fahrräder ist übrigens nicht nur auf das Stadtzentrum begrenzt. Der Grønne Sti ( der grüne Pfad), ein etwa acht Kilometer langer Fahrradweg, verbindet Kopenhagen mit der Nachbarstadt Frederiksberg. Und genau dort setzen die Stadtplaner für die Zukunft an: Während der Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur im Stadtbereich Kopenhagens mittlerweile fast ausgereizt scheint, soll das Umland immer mehr in das Fahrradnetz integriert werden. „Cycle Superhighways“ heißt das Zauberwort! Mit neu ausgebauten Fahrrad-Autobahnen möchte man immer mehr Pendlern den Umstieg vom Auto zum Fahrrad schmackhaft machen. Unter anderem auch mit einer kilometerlangen grünen Welle, die – ohne auch nur einmal anhalten zu müssen – bis ins Stadtzentrum von Kopenhagen führt. Als Radfahrer in Hamburg, München oder Berlin könnte man darauf fast ein wenig neidisch werden…

Quellenverweise:

Website Visit Copenhagen
Bericht Facts und Figures 2017 (öffnet eine PDF-Datei)
Website von Kopenhagen mit den „Bicycle Account“-Berichten

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