AutoUrbane Mobilität

Ridesharing als Konzept für die Zukunft der urbanen Mobilität?

Ein Ridepooling-Selbtversuch mit Clevershuttle in München

Beim Rideharing teilen sich mehrere Personen mit ähnlichem Ziel ein Fahrzeug. Geht es nach den Befürwortern dieser modernen Art der Fahrgemeinschaft, dann wirkt Ridesharing verkehrsreduzierend, weil in den Städten insgesamt weniger Fahrzeuge zur Personenbeförderung notwendig sind. Als Kritiker gelten vor allem Taxiunternehmen, die Umsatzeinbußen fürchten und sich auf das Personenbeförderungsgesetz berufen. Ein Selbstversuch mit Clevershuttle in München soll einige Fragen klären: Welche Vorteile und Nachteile hat Ridesharing und was sind die größten Unterschiede zwischen Taxi und Shuttle?

Was bedeutet Ridesharing und Ridepooling?

München an einem gewöhnlichen Dienstag um 1.40 Uhr. Die letzte U-Bahn fuhr vor wenigen Minuten. Die einzige Möglichkeit zu dieser Uhrzeit noch nach Hause zu kommen heißt Taxi – oder besser gesagt hieß Taxi. Denn seit wenigen Jahren gibt es in einigen deutschen Großstädten Ridesharing-Dienste. Die bekanntesten Anbieter heißen Clevershuttle, MOIA, oder FREE NOW.

Ridesharing bedeutet, dass sich mehrere Personen ein Fahrzeug für eine gleiche oder ähnliche Fahrtstrecke teilen. Im Gegensatz zu einem Taxi, bei dem meist eine Person eine Fahrt von A nach B bucht, nutzen beim Ridesharing also mehrere Personen das selbe Fahrzeug. Dies beinhaltet auch, einen kleinen Umweg in Kauf zu nehmen, um einen Passagier mit ähnlichem Ziel abzuholen bzw. abzuliefern.

Neben der Fahrtstrecke teilen sich die Insassen auch die Kosten. Der englische Begriff Ridesharing bezeichnet also nichts anderes als eine kommerzielle Art der Fahrgemeinschaft oder Mitfahrgelegenheit. Ridesharing wird zum Ridepooling, wenn ein Algorithmus mehrere Passagiere mit ähnlichem Ziel für eine gemeinsame Fahrt bündelt. CleverShuttle, MOIA und Co. sind also genau genommen Ridesharing-Anbieter.

Wie funktioniert Ridepooling?

Um Ridepooling nutzen zu können, muss der Fahrgast eine kostenlose SmartphoneApp installieren. Bei unserem Beispiel in München nutzt der Fahrgast eine App von Clevershuttle und verfügt über einen Account mit Guthaben. Via App wird dann die Fahrt gebucht. Zur Lokalisierung des Abholpunktes muss der Fahrgast GPS und mobiles Internet am Smartphone aktiviert haben.

Beim Buchungsvorgang gibt der Fahrgast die Zieladresse und die Anzahl der mitfahrenden Personen an. Nun läuft ein Countdown von 20 Sekunden, in dem das Shuttle exklusiv reserviert und nicht für andere Personen buchbar ist. In diesem Zeitraum muss die Buchung bestätigt werden. Anschließend wird der Fahrgast über den exakten Fahrpreis und die Ankuftzeit des Shuttles informiert. An diesem Abend lag der Fahrpreis bei 11,16 Euro. Die Ankunftsdauer betrug laut App elf Minuten. Außerdem wurden der Name des Fahrers und das Kennzeichen des Shuttles mitgeteilt.

Taxi oder Ridesharing?

In unserem Fall lag der Abholpunkt zufälligerweise nur wenige Meter von einem Taxistand entfernt. Ein wesentlicher Unterschied zwischen Taxi und RideSharing war also sofort offensichtlich: Während direkt nebenan fünf freie Taxis sofort verfügbar gewesen wären und auf einen Passagier warteten, musste eben jener Passagier auf sein Ridesharing-Shuttle warten.

Leise Fahrt mit Brennstoffzellen-Shuttle

Während der Wartezeit erhält der Fahrgast in Echtzeit Information über den aktuellen Standpunkt des freien Fahrzeugs und die verbleibende Wartezeit. Zudem kann man durchgehend den Standpunkt weiterer CleverShuttles sehen. 

Statt nach elf Minuten erschien das Shuttle bereits nach sieben Minuten. Das Fahrzeug war ein Brennstoffzellenauto vom Typ Toyota Mirai. Eine Passagierin saß bereits im Shuttle. Der durchweg freundliche Fahrer teilte uns sofort mit, dass auf dem Weg nach Hause ein kurzer Umweg nötig ist, um die Mitfahrerin am gewünschten Zielort abzuliefern. Der Umweg betrug schätzungsweise rund fünf Minuten. 

Die restliche Fahrt ging dann auf direktem Weg zum Ziel. Der vorher festgelegte Fahrpreis wurde nach Ankunft vom Account-Guthaben abgezogen. Alternativ kann aber auch bar, per Kreditkarte oder PayPal bezahlt werden – immer vorausgesetzt, dass man bei Clevershuttle registriert ist.

Anschließend können über die App Fahrt und Fahrer mit einem Fünf-Punkte-System bewertet werden. In unserem Fall gab es keinerlei Grund zur Beanstandung. Der Fahrer war sehr freundlich, die Fahrt im Wasserstoffauto war angenehm und leise, das Fahrzeug sehr sauber. Laut Clevershuttle-App betrug die Fahrtstrecke 10 Kilometer und die Dauer 20 Minuten. Übrigens: die selbe Fahrstrecke kostete wenige Tage vorher mit herkömmlichem Taxi 21,70 Euro, also fast doppelt soviel!

Die Vorteile und Nachteile von Ridepooling

Vorteile:

  • bis zu 50% günstigerer Fahrtpreis im Vergleich zu Taxis
  • der Preis wird bereits vor der Fahrt mitgeteilt
  • Wartezeit und aktuelle Position des Shuttles werden in Echtzeit angezeigt
  • mehrere Personen teilen sich ein Fahrzeug, weswegen der ökologische Fußabdruck durch mehrere geteilt wird
  • man lernt neue Leute kennen
  • Clevershuttle und die meisten anderen Anbieter nutzen ausschließlich Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. 

Nachteile:

  • man muss beim Anbieter registriert sein und kann nicht, wie beim Taxi, spontan ein freies Fahrzeug nutzen
  • gegebenenfalls müssen Umwege in Kauf genommen werden
  • das Ridesharing-Angebot ist auf bestimmte Gebiete begrenzt 

Über Clevershuttle

Clevershuttle bietet seit 2014 RidePooling in Deutschland an. Aktuell ist der Service in Berlin, Leipzig, Düsseldorf, München, Dresden und Kiel verfügbar. Im September 2018 übernahm die Deutsche Bahn die Mehrheitsanteile am Unternehmen. Seit Oktober 2019 ist zusätzlich der japanische Mitsui & Co.,Ltd.-Konzern als Partner mit an Bord. Clevershuttle nutzt ausschließlich Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. Das Unternehmen ist deutschlandweit der größte Abnehmer des Brennstoffzellenautos Toyota Mirai.

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