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Eine Seilbahn als urbanes Verkehrsmittel für München

Bekommt München eine Seilbahn-Strecke?

Eine Seilbahn als alternatives Verkehrsmittel in überfüllten Großstädten: Was im ersten Moment abenteuerlich klingt, könnte in München bald Realität werden. In der bayrischen Landeshauptstadt denkt man konkret über den Bau einer Seilbahnstrecke nach.

ÖPNV der Zukunft in Deutschlands Stauhauptstadt

Die Einwohnerzahl der bayerischen Landeshauptstadt steigt seit Jahren kontinuierlich an – und mit ihr der Verkehr. Nicht nur die Straßen, auch die öffentlichen Verkehrsmittel sind vor allem zu Hauptverkehrszeiten chronisch überfüllt. Während seit Jahren, meist ergebnislos, über zusätzliche U-und S-Bahn-Trassen diskutiert wird, gibt es nun eine neue Idee um den öffentlichen Nahverkehr in München zu entlasten: Eine Seilbahn soll in das öffentliche Nahverkerssystem integriert werden und mehrere tausend Menschen pro Stunde befördern.

Die Strecke der Münchner Seilbahn soll drei hochfrequentierte U-Bahnstationen entlang des Frankfurter Rings verbinden. Bei einer angenommenen Höchstgeschwindigkeit von 28 km/h könnten die Gondeln bis zu 4.000 Personen pro Stunde und Richtung befördern. Die geschätzten Kosten für den Bau liegen aktuell bei 50 Millionen Euro.

Seilbahnen in anderen Städten

Die Idee von Seilbahnen für den öffentlichen Nahverkehr ist nicht neu und vor allem in Südamerika schon lange Realität. So verfügt unter anderem die Bolivianische Stadt La Paz seit 2014 über ein Seilbahnnetz mit aktuell acht Linien. Bis 2020 wird der Streckenverlauf auf 10 Linien mit dann insgesamt 33 Kilometer erweitert. Das Seilbahnnetz in La Paz transportiert durchschnittlich 230.000 Fahrgäste pro Tag.

In Koblenz verkehrt eine Seilbahn mit einer Beförderungskapazität von bis zu 7.600 Personen pro Stunde. Die Koblenzer Seilbahn wurde für die Bundesgartenschau 2011 errichtet und sollte ursprünglich nach Ende der BUGA wieder demontiert werden. Doch die Koblenzer waren von der Bahn so begeistert, dass der Stadtrat mit einer Unterschriftensammlung vom Erhalt überzeugt werden konnte. Die Betriebsdauer der Koblenzer Seilbahn ist Stand jetzt bis 2026 begrenzt.

Die Vorteile von Seilbahnen als urbanes Verkehrsmittel

Die Bauzeit für die Seilbahn in Koblenz betrug lediglich 13 Monate – ein Zeitraum von dem die Planer diverser U-Bahn- und S-Bahnstrecken nicht mal zu träumen wagen. Auch Baukosten und Flächenverbrauch sind im Vergleich zu anderen ÖPNV-Lösungen gering. Ein weiterer Vorteil: Gerade in Großstädten, wo viele Menschen dicht beieinander wohnen, dürfte der vergleichsweise leise Betrieb von Seilbahnen für eine hohe Akzeptanz bei Anwohnern sorgen. Und in Zeiten, in denen viele Großstädte unter hohen Schadstoffemissionen leiden, sollte ein nahezu emissionsfreies ÖPNV-Verkehrsmittel in der Gunst der Bevölkerung ganz oben stehen.

So weit ist man in München leider noch lange nicht. Aktuell ist eine Machbarkeitsstudie geplant, bei der Kosten und Nutzen untersucht werden. Zudem müssen Lösungen für Pendlerparkplätze und Zusteigemöglichkeiten geklärt werden. Erst dann können die Pläne konkret im Stadtrat diskutiert werden und eventuell zur Abstimmung kommen. Plus diverser Anträge und Genehmigungen ist mit einer Seilbahnstrecke in München frühestens 2025 zu rechnen.

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