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Machbarkeitsstudie: Eine Seilbahn für den ÖPNV in München

Eine Machbarkeitsstudie soll den Nutzen einer Seilbahn-Trasse über dem Frankfurter Ring prüfen.

Im Juli 2018 wurde die Idee einer Seilbahn für München erstmals öffentlich vorgestellt. Ende Dezember gab der Münchner Stadtrat die Prüfung des Projekts im Rahmen einer Machbarkeitsstudie offiziell in Auftrag. Die geplante Seilbahn-Trasse soll den ÖPNV der staugeplagten Stadt ergänzen.

Kosten und Nutzen werden verglichen

Im Rahmen der Machbarkeitsstudie werden Kosten und Nutzen einer Seilbahn-Trasse über dem Frankfurter Ring geprüft. Diese Trasse soll als Ost-West-Verbindung zwischen dem U-Bahnhof Studentenstadt, der Tramhaltestelle Schwabing Nord, dem U-Bahnhof Frankfurter Ring und dem U-Bahnhof Oberwiesenfeld verkehren. Zudem beschäftigt sich die Machbarkeitsstudie mit acht Verlängerungsmöglichkeiten. Die Münchner Seilbahn wäre europaweit die erste, die nicht für touristische Zwecke, sondern für den ÖPNV vorgesehen ist.

Ziel der Machbarkeitsstudie ist es, die Seilbahn-Trasse mit anderen Alternativen wie Schnellbusse und Tram zu Vergleichen, mögliche Schwierigkeiten der Umsetzung zu prüfen, sowie den finanziellen Aufwand von Bau und Unterhalt zu berechnen.

4.000 Fahrgäste pro Stunde

Im Juli 2018 stellte der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter, gemeinsam mit der damaligen bayerischen Verkehrsministerin Ilse Aigner und Dr. Jürgen Büllesbach, Vertreter der Schörghuber Unternehmensgruppe, die Idee einer urbanen Seilbahn für den ÖPNV in München mit großer Begeisterung vor: „Eine Seilbahn bietet im wahrsten Sinne des Wortes ganz neue Perspektiven: Sie könnte überraschend viele Passagiere in kurzer Zeit transportieren und wäre gleichzeitig schnell und verhältnismäßig kostengünstig zu realisieren. Am Frankfurter Ring könnte sie eine wichtige Tangentialverbindung im Münchner Nahverkehrssystem darstellen“

Visualisierung einer möglichen Seilbahn-Station | Bild: Schörghuber Gruppe

Ein vorläufiger Plan der Schörghuber Gruppe vom Juli 2018 sah eine Streckenführung der Seilbahn-Trasse in 50 – 60 Meter Höhe vor. Zur sinnvollen Ergänzung des Münchner Nahverkehrs sollen die möglichen Seilbahn-Stationen an bereits bestehende U-Bahn- und Tramstrecken angeschlossen werden. Nach einer Beispielrechnung können bei einer Geschwindigkeit von 8,0 m/s und einer Kapazität von 32 Personen je Kabine 4.000 Fahrgäste pro Stunde und Richtung transportiert werden. Dies wäre doppelt so hoch wie die Kapazität der Münchner Tram. Die Kosten für eine vier bis fünf Kilometer lange Seilbahn-Strecke in München wurden mit mindestens 50 Millionen Euro angegeben. Wie hoch der Preis in der Realität sein wird, hängt vor allem von der Gestaltung der Stationen und Gondeln ab.

Vieles spricht für die urbane Seilbahn

Die Vorteile einer urbanen Seilbahn sind niedrige Schadstoffemissionen, geräuscharmer Betrieb und geringer Flächenverbrauch. Die hohe Leistungsfähigkeit bei vergleichsweise geringen Bau- und Unterhaltskosten sind wohl das größte Plus im Vergleich zu anderen ÖPNV-Verkehrsmitteln. Die Seilbahn-Trasse nutzt zudem eine bisher ungenutzte Ebene und muss daher nicht mit anderen Verkehrsmitteln um Platz konkurrieren.

Dass urbane Seilbahnen mehr als eine Alternative für den Nahverkehr in Großstädten sind, beweist die bolivianischen Großstadt La Paz. Dort werden pro Tag im Schnitt 230.000 Menschen mit dem größten Seilbahnnetz der Welt transportiert. Ob die Seilbahn in München eine Zukunft hat, wird das Ergebnis der Machbarkeitsstudie zeigen. Für die Studie ist ein Zeitraum von 15 Monaten angesetzt.

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