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Weniger Autos für mehr Sicherheit: Wien eröffnet 5. Schulstraße

Vor wenigen Tagen wurde in der Märzstraße, im 14. Bezirk in Wien, eine Schulstraße eröffnet. Es ist bereits die fünfte dieser Art in der österreichischen Hauptstadt. In einer Schulstraße gilt an Schultagen 30 Minuten vor Schulbeginn- und Ende ein Fahrverbot für sämtliche Kraftfahrzeuge. Zusätzlich zu den Fahrverbotschildern wird der Straßenabschnitt während des Fahrverbots abgesperrt. Ziel ist es, den Eltern-Bringverkehr sowie das generelle Verkehrsaufkommen vor Schulen zu reduzieren.

…und plötzlich fahren wieder mehr Kinder mit dem Fahrrad zur Schule!

Im September 2018 startete in Wien in der Vereinsgasse im 2. Bezirk ein Pilotprojekt mit dem Namen Schulstraße. Vor der dortigen Volksschule galt an Schultagen zwischen 7:45 und 8:15 Uhr ein temporäres Fahrverbot für Autos und Motorräder. Ziel des Pilotprojekts war es, das umliegende Verkehrsaufkommen zu reduzieren und somit die Sicherheit der Schulkinder zu erhöhen. Die Testphase wurde von VerkehrsexpertInnen begleitet und evaluiert.

Die gewünschten Ziele wurden schnell erreicht. Sowohl vor der Schule, als auch in der näheren Umgebung sank das Verkehrsaufkommen. „Das temporäre Fahrverbot vor der Schule hat eindeutig für mehr Sicherheit für die Kinder gesorgt“, erklärte die Fußgängerbeauftragte Petra Jens, die gleichzeitig auch Initiatorin des Pilotversuchs war. Und weil die Kinder weniger mit Autos zum Unterricht chauffiert wurden, kamen diese wieder vermehrt mit dem Fahrrad, dem Roller oder zu Fuß zur Schule.

Verkehrsaufkommen vor und während des Pilotversuchs in der Vereinsgasse | Grafik: Mobilitätsagentur

Schulstraße auch in anderen Städten?

Das Pilotprojekt wurde von Kindern, Eltern, Schulleitung und auch von den Anwohnern positiv aufgenommen. Nach Ablauf der Testphase wurde die Schulstraße deshalb dauerhaft eingerichtet. Schnell wollten auch andere Wiener Schulen dem Beispiel folgen. In kurzer Zeit gingen mehr als zwanzig Anfragen von Schulleitungen und Elternvereinen bei der Stadt ein. Selbst Städte wie Krakau, Berlin und Montreal zeigten Interesse am Wiener Modell.

Im September 2019 wurden dann drei weitere Schulstraßen in Wien eröffnet: in der Gilgegasse im neunten, der Fuchsröhrenstraße im elften und der Deckergasse im zwölften Bezirk. Vor der Ganztagsvolksschule in der Fuchsröhrenstraße in Simmering wurde zudem auch ein temporäres Fahrverbot am Nachmittag getestet. Zusätzlich zum Fahrverbot am Morgen wurde ein solches auch eine halbe Stunde vor Schulschluss, zwischen 15:30 und 16:00 Uhr, verhängt.

Positive Resonanz von Eltern und Kindern

Vor wenigen Tagen wurde in der Märzstraße, im 14. Bezirk, Wiens fünfte Schulstraße eröffnet. Birgit Hebein, Vizebürgermeisterin der Stadt Wien erklärte dazu: „Wir erhalten viele positive Reaktionen von Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen zu den Schulstraßen und es freut mich, dass wir heute schon die fünfte eröffnen. Es wird ganz sicher nicht die letzte sein, weil wir als Stadt die Verantwortung tragen, dass Kinder auf ihrem Schulweg sicher und selbstbestimmt unterwegs sein können.“

Die vier anderen Schulstraßen bestehen auch weiterhin. In Simmering wird die Nachmittags-Schulstraße jedoch nicht fortgesetzt. Stattdessen wird in der nahegelegenen Wilhelm-Otto-Straße eine Einbahnstraße eingerichtet, die den Verkehr generell beruhigen soll. Dafür gilt im ältesten Projekt, in der Vereinsgasse im 2. Bezirk, ab 10. Februar zusätzlich zur Schulstraße am Morgen das temporäre Fahrverbot auch am Nachmittag zwischen 15:30 und 16:00 Uhr.

Weniger Eltern mit Autos = mehr Kinder mit Fahrrad

Alles in allem ist die „Schulstraße“ ein großer Erfolg, der immer mehr Anhänger und Nachahmer findet. Besonders groß ist die Freude bei der Initiatorin Petra Jens: „Die Schulstraße ist eine Antwort auf das Verkehrschaos vor Schulen. Sie ist aber auch eine Antwort auf die zunehmende Bewegungsarmut der Kinder. Schon heute wird jedes 5. Kind mit dem Auto zur Schule gebracht. Das soll sich ändern: denn ein zu Fuß oder mit dem Rad erledigter Schulweg trägt stark zur Gesundheit der Kinder bei.“

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