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Hamburg will Fahrradstadt werden

Warum der Weg zu einer Fahrradstadt manchmal länger ist, als das aktuelle Velonetz in Hamburg

Seit Jahren steigt die Bevölkerungszahl in Hamburg kontinuierlich an – und mit ihr das Verkehrsaufkommen. Für die Bewohner der Hansestadt bedeutet das mehr Autos, mehr Lärm, mehr Stau und vor allem steigende Luftbelastung. Um dem entgegenzuwirken hat Hamburg das Fahrrad als Verkehrsmittel der Zukunft entdeckt.

Hamburg wird Fahrradstadt – oder doch nicht?

Vor einigen Jahren kündigten die Stadtplaner der Hansestadt an, dass Hamburg zur Fahrradstadt werden soll. Während die rot-grüne Koalition die bisherigen Maßnahmen als Erfolg sieht, kommt von anderen Seiten Kritik. Im August veröffentlichte Greenpeace eine Studie, nach der die sechs größten Städte der Bundesrepublik viel zu wenig in den Radverkehr investieren. Mit lediglich 2,90 Euro pro Einwohner ist Hamburg laut dieser Studie weit vom Titel der Fahrradstadt entfernt. Im Vergleich dazu investiert Amsterdam rund elf Euro, Kopenhagen sogar 35,60 Euro pro Einwohner und Jahr.

Kritik an der Greenpeace-Studie kommt ausgerechnet von den Grünen. Denn nach deren Berechnung liegen die Ausgaben der Stadt für die Fahrrad-Infrastruktur pro Kopf bei 10,56 Euro. Und auch sonst ist Hamburg laut rot-grüner Regierung auf einem guten Weg, die selbstgesteckten Ziele zu erreichen.

Ziele der Hamburger Radverkehrsstrategie

Von 2011 bis 2017 stieg die Investition in das Hamburger Fahrrad-Infrastruktur demnach um mehr als das Dreifache. Alleine für 2017 bedeutete das 20 Millionen Euro Ausgaben für das Radverkehrsnetz der Hansestadt. Während im Jahr 2015 etwa 33 Kilometer Radstrecke neu gebaut wurden, waren es im Jahr 2017 bereits 45 Kilometer, und somit ein Anstieg von 36 Prozent. Das selbstgesteckte Ziel der Regierungsparteien lag allerdings bei 50 Kilometer pro Jahr.

Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil des Radverkehr am gesamten Verkehrsaufkommen 25 Prozent betragen. Wie hoch der Anteil aktuell ist, kann niemand konkret sagen, da es keine statistischen Erhebungen gibt. Die letzten offiziellen Zahlen stammen aus dem Jahr 2008. Damals waren rund 12 Prozent aller Verkehrsteilnehmer in Hamburg mit dem Rad unterwegs.

Velorouten für mehr Radverkehr

Einen gewichtigen Teil der Hamburger Radverkehrsstrategie nehmen die Velorouten ein. Das weitläufige Streckennetz soll den Bürgern das Radfahren vor allem auch für längere Strecken schmackhaft machen. Die Velorouten verlaufen zumeist abseits der Hauptverkehrsstraßen und sollen in den nächsten Jahren kontinuierlich ausgebaut werden. Aktuell beträgt die Gesamtstrecke 150 Kilometer. Bis 2020 soll das Velorouten-Netz insgesamt 250 Kilometer lang sein. Die längste der 14 Hamburger Velorouten hat eine Streckenlänge von 42 Kilometern und führt durch Stadtteile wie Othmarschen, Poppenbüttel und Billstedt.

Noch gehört die Stadt den Autofahrern

Dass Hamburg, wie fast jede andere deutsche Stadt, hauptsächlich für Autoverkehr ausgelegt ist, erlebt man als Radfahrer jeden Tag. Schlechte Ampelschaltungen, zu enge Radwege und wild auf Radwegen parkende Autos sind nur einige der Gründe, weshalb viele Hamburger mit dem Umstieg auf Fahrrad zögern.

Die Stadtplaner haben zudem mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Platz ist in jeder deutschen Großstadt nur noch begrenzt verfügbar. Mehr Raum für Radwege heißt vor allem in der Innenstadt weniger Raum für Autos oder Fußgänger. Daher kann der lange Weg zu einer Fahrradstadt letztendlich nur über die Akzeptanz der Bevölkerung führen.

Auch wenn die Verantwortlichen bisher viele hilfreiche Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs in Hamburg auf den Weg bringen konnten – bis Hamburg mit fahrradfreundlichen Städten wie Amsterdam oder Kopenhagen auch nur annähernd mithalten kann, wird mit Sicherheit noch viel Wasser die Elbe hinabfließen.

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