HybridantriebLkw und Kleintransport

Oberleitungs-Lkw für Güterverkehr der Zukunft?

Die erste E-Highway Teststrecke für Oberleitungs-LKW wird 2019 eröffnet

Ab 2019 beginnen die ersten Praxistests für E-Highways. Dort können elektrisch betriebene Hybrid-Lkw während der Fahrt ihre Batterien mit Strom aus Oberleitungen aufladen. Drei dieser E-Highways werden bald auf deutschen Straßen eröffnet. Ziel des Projekts ist die ökologische und ökonomische Bewertung des Systems unter Realbedingungen.

Das E-Highway System erlaubt speziell ausgerüsteten Oberleitungs-Hybrid-LKW (OH-Lkw), während der Fahrt ihre Batterien aufzuladen. Sensoren der Bordelektronik erkennen automatisch, wenn sich Oberleitungen über dem Stromabnehmer, dem sogenannten Pantografen, befinden. Ohne bremsen zu müssen, fährt der Stromabnehmer automatisch aus und dockt an der Leitung an. Da das System vollautomatisch funktioniert, können die Oberleitungs-Lkw jederzeit während der Fahrt, zum Beispiel zum Überholen, die Fahrspur wechseln.

Die Oberleitungen befinden sich ausschließlich auf der äußersten rechten Fahrbahn und sind an Masten aufgehängt, die in Abständen von etwa 50 bis 60 Metern stehen. Die Leitungen sind in 5,12 Meter über der Fahrbahn angebracht und können bei Bedarf auf 4,70 Meter abgesenkt werden. Angedockt beträgt die Höchstgeschwindigkeit der OH-Lkw rund 100 km/h.

Scania R 450 Hybrid Lkw mit Stromabnehmer
Foto: Scania

Zusätzlich zur Aufladung der Lkw-Batterien soll das Pilotprojekt auch die Rekuperation der Bremsenergie untersuchen. Die daraus gewonnene Energie soll entweder ebenfalls die Lkw-Batterien laden oder alternativ zurück ins Oberleitungsnetz gespeist werden.

Insgesamt drei E-Highway Teststrecken

Die ersten Tests für die E-Highways werden auf der Autobahn A5 zwischen Darmstadt und Frankfurt stattfinden. Dort wurde die Infrastruktur mit Oberleitungen in beide Fahrtrichtungen zu je fünf Kilometer bereits fertiggestellt. 

Als zweite Teststrecke dient ein Streckenabschnitt auf der Autobahn A1 zwischen der Anschlussstelle Reinfeld und dem Autobahnkreuz Lübeck, ebenfalls in beide Fahrtrichtungen zu je fünf Kilometer. Dieser E-Highway soll ab Sommer 2019 fertiggestellt sein und mit Strom aus Wind- und Sonnenenergie versorgt werden.

Der dritte E-Highway wird Anfang 2020 in Baden-Württemberg entlang der Bundesstraße B462 zwischen Kuppenheim und Gernsbach-Obertsrot verlaufen. Die ingesamt 18 Kilometer lange Pilotstrecke ist in drei Abschnitte zu jeweils 6 Kilometer unterteilt.

„E-Highways bieten praktische und effiziente Lademöglichkeiten entlang der Strecke. Außerdem schont dieser Ansatz Batterien und Versorgungsnetz.“ Magnus Höglund, Head of Electric Road System, Scania

Oberleitungs-LKW von Scania

Die insgesamt 15 Oberleitungs-Hybrid-Lkw für die gesamte Testphase kommen vom schwedischen Hersteller Scania. Siemens entwickelte die Pantograf-Stromabnehmer, die am am Fahrgestell hinter dem Fahrerhaus angebracht sind. Die Scania R 450 Hybrid-Lkw werden auf realen Transportstrecken von meist ortsansässigen Speditionsunternehmen eingesetzt; jeweils fünf Scania Oberleitungs-Lkw pro Teststrecke. Die Entscheidung für die Scania LKW fiel im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU).

Kritik am E-Highway für Lkw

Das Pilotprojekt für die E-Highways in Deutschland hat nicht nur Befürworter. Kritiker verweisen darauf, dass es ein ähnliche Oberleitungstechnik bereits gibt – und zwar bei der Bahn. Das Hauptargument der Kritiker lautet: Warum viel Geld und Zeit in Teststrecken für Oberleitungs-Lkw investieren, wenn der Güterverkehr stattdessen auf Gleisen transportiert werden könnte?

Unterschiede zum Hochleitungssystem der Bahn

Im Unterschied zum Oberleitungssystem der Deutschen Bahn benötigt der Lkw-E-Highway zwei Drähte, um einen geschlossenen Stromkreis zu bilden. Das Oberleitungssystem der Bahn wird außerdem mit 15.000 Volt Wechselspannung betrieben, der Lkw-E-Highway mit 670 Volt Niederspannung. Aufgrund der Niederspannung geht von den Lkw-Oberleitungen somit keine besondere Gefahr aus.

Quelle
ELISA Projekt A5FESH Projekt A1eWayBW Projekt B462
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