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Das Comeback des Transrapid: eine neue Magnetschwebebahn für den ÖPNV

Mit dem Transportsystem Bögl (TSB) nimmt die Magnetbahntechnologie wieder Fahrt auf!

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit entwickelt die Firmengruppe Max Bögl seit einigen Jahren ein neues Magnetbahnsystem komplett in Eigenregie. Das Transportsystem Bögl (TSB) basiert auf der ursprünglichen Transrapid-Technologie und soll als umweltfreundliches Nahverkehrssystem in Großstädten zum Einsatz kommen.

TSB-Teststrecke in China geplant

Seit 2012 wird das TSB auf der rund 800 Meter langen, firmeneigenen Teststrecke in Sengenthal in der Oberpfalz erprobt. Im Juli schloss Bögl nun einen Kooperationsvertrag mit dem chinesischen Unternehmen Chengdu Xinzhu Road & Bridge Machinery Co. Ltd. Bestandteil der Kooperation ist der Bau einer 3,5 Kilometer langen Teststrecke in der Provinz Sichuan, mit dem Ziel, das Magnetbahnsystem in China für den ÖPNV zulassen zu können.

Das Transportsystem Bögl – mehr als der kleine Bruder des Transrapid?

Der TSB ist vor allem für den Nahverkehr auf Strecken von fünf bis dreißig Kilometer vorgesehen. Die Geschwindigkeit soll bei maximal 150 km/h liegen, was für den urbanen Einsatz in Städten vollkommen ausreichend ist. Das Fahrzeugsystem besteht aus mindestens zwei Einheiten, wobei eine Einheit zwölf Meter lang ist und Platz für maximal 127 Personen bietet. Bei optimaler Taktung soll die Bögl Magnetbahn 30.000 Menschen pro Stunde und Fahrtrichtung befördern können. Während der Streckenverlauf des Transrapid auf hohen Betonstelzen verläuft, kann die TSB-Strecke auf Stützen, im Tunnel oder ebenerdig angelegt werden.

„Mit unserer neuen Technologie haben wir ein sehr attraktives, umweltfreundliches und vor allem kosteneffizientes Angebot für die wachsende Mobilität in Metropolen.“ Stefan Bögl, Vorstandsvorsitzender Firmengruppe Bögl

 

Die erfolglose Geschichte des Transrapid

Der Transrapid war ursprünglich als Hochgeschwindigkeitsbahn mit einer möglichen Spitzengeschwindigkeit bis zu 550 km/h geplant. Die einzige kommerzielle Transrapidstrecke der Welt wird seit 2004 in Shanghai, China, betrieben. Pro Fahrt können dort bis zu 440 Passagiere befördert werden. Die 30 Kilometer lange Strecke dauert von Start bis zum Ziel etwas über sieben Minuten. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt kurzfristig 430 km/h.

Die einzige Testrecke für den Transrapid in Deutschland wurde ab 1983 im Emsland, Niedersachsen, betrieben. Diese wurde nach einem schweren Unfall am 22. September 2006 in den folgenden Jahren stillgelegt. Der geplante Transrapid München als Verbindung vom Flughafen Franz-Josef-Strauss bis zum Münchner Hauptbahnhof scheiterte an zu hohen Kosten sowie an massiven Protesten der Bevölkerung.

Das Comeback der Magnetschwebebahn

Dass ausgerechnet das Oberpfälzer Bauunternehmen Bögl die Magnetschwebetechnik weiterentwickelt kommt nicht von ungefähr. Die Firmgengruppe war sowohl bei der ehemaligen Transrapid-Teststrecke im Emsland, als auch bei der Strecke in Shanghai als Zulieferer involviert. Nachdem der Transrapid in Deutschland als gescheitert galt, wollte Bögl trotzdem weitermachen – allerdings mit einem in kompletter Eigenregie entwickelten System. Beim TSB stammen Betriebsleittechnik, Fahrzeug und sogar die Fahrtstrecke direkt vom Unternehmen selbst.

Transport System Bögl, TSB, auf Teststrecke in Sengenthal
TSB Teststrecke in Sengenthal / Foto: Firmengruppe Max Bögl

 

Seit 2012 legte die Oberpfälzer Magnetschwebebahn bei rund 100.000 Testfahrten etwa 65.000 Kilometer zurück. Seit einiger Zeit läuft sogar das offizielle Zuslassungverfahren als Verkehrsmittel zur Personenbeförderung in Deutschland. Diese Zulassung für das TSB soll laut Bögl spätestens 2019 erfolgen.

Das TSB als geräuscharmes Nahverkehrsmittel für Großstädte

Vor allem chronisch überfüllte Großstädte könnten vom „neuen“ Transrapid als Verkehrsmittel für den ÖPNV profitieren. Die TSB-Trassen gelten dank neuer Fahrzeugtechnik als besonders leise – und somit als geräuscharme Konkurrenz zu anderen Schienen-Fahrzeugen wie S-Bahn oder Tram. Und was wäre für den urbanen ÖPNV besser als ein nahezu geräuschloses Verkehrsmittel mit niedrigem Energieverbrauch?

Ob das Transportsystem Bögl in Deutschland tatsächlich in naher Zukunft zur Personenbeförderung eingesetzt wird hängt wie so oft hauptsächlich von zwei Faktoren ab: den tatsächlichen Kosten und vor allem von der Akzeptanz der Bevölkerung.

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