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Das erste autonome Elektro-Containerschiff der Welt

Mit der "Yara Birkeland" sticht 2020 in Norwegen das erste autonome E-Containerschiff der Welt in See.

Der norwegische Düngemittelhersteller Yara und das Rüstungsunternehmen Kongsberg bauen das erste vollelektrische und autonome Containerschiff der Welt. Die „Yara Birkeland“ soll 2020 erstmals in See stechen und pro Jahr 40.000 Lkw-Fahrten ersetzen – und zwar voll emissionsfrei!

Emissionsfreier Schiffsverkehr statt Diesel-Lkw

Die Kooperation eines Düngemittelherstellers mit einem Rüstungsunternehmen mag im ersten Moment nicht zwingend nach Mobilität der Zukunft klingen. Doch das Projekt „Yara Birkeland“ könnte tatsächlich eine Revolution für die internationale Schifffahrt bedeuten!

Die Hafen- und Industriestadt Porsgrunn liegt an der Südküste Norwegens und zählt etwa 36.000 Einwohner. Hier, genauer gesagt auf der Halbinsel Heroya, betreibt Yara International ASA eine der größten Kunstdüngerfabriken der Welt. Um die Produkte aus dem Werk in Porsgrunn-Heroya zu den nahgelegenen Häfen in Brevik und Larvik zu transportieren, sind jeden Tag mehr als 100 Diesel-Lkw in Einsatz. Für die Bewohner bedeutet das: reichlich Schadstoffemissionen, viel Lärm und viel Verkehr.

Mit der Entwicklung des vollelektrischen Containerschiffs Yara Birkeland möchte das Unternehmen Yara den Transport von der Straße auf das Wasser verlagern. Dadurch wären nicht nur über einhundert schwer beladene Lkw weniger auf den Straßen der Stadt unterwegs. Vor allem der Stickoxid- und CO2-Ausstoß würde erheblich sinken.

„Mit diesem neuen autonomen, batteriebetriebenen Containerschiff verlagern wir den Transport von der Straße zur See und reduzieren dadurch die Lärm- und Staubemissionen, verbessern die Sicherheit der örtlichen Straßen und reduzieren die Stickoxid- und CO2-Emissionen“ Svein Tore Holsether, CEO von Yara

Vollelektrischer Gütertransport ab 2020 

Im Mai 2017 kündigten YARA und KONGSBERG erstmals den Bau des ersten autonomen, elektrischen Containerschiffs der Welt an. Kongsberg sorgt für die Entwicklung aller relevanten Schlüsseltechnologien für die Yara Birkeland. Dazu gehören die elektrischen Antriebssysteme, Steuerungssysteme, die Batterietechnologie sowie sämtliche Sensoren für den autonomen Betrieb. Am 28. September 2017 wurde schließlich ein sechs Meter langes und 2,4 Tonnen schweres Modell mit dem endgültigen Design der Öffentlichkeit vorgestellt. Als drittes Unternehmen kam Anfang 2018 die norwegische Werft VARD hinzu, die das Containerschiff baut.

Schiffsmodell bei der Präsentation | Foto: Yara 

Die Yara Birkeland soll ab dem ersten Quartal 2020 im Realbetrieb eingesetzt werden. Das Elektro-Containerschiff liefert dann Güter aus dem Yara-Werk in Porsgrunn nach Brevik (rund 7 Seemeilen) und Larvik (30 Seemeilen). Bis 2022 wird schrittweise von bemannten Betrieb auf vollständig autonomen Betrieb umgestellt. 

Das Laden und Entladen des E-Schiffs erfolgt ebenfalls automatisiert mit elektrischen Kränen. Die Yara Birkeland wird zudem mit einem automatischen Festmachersystem ausgestattet. Zur Sicherheit werden drei Kontrollstellen eingerichtet, die den Betrieb des autonomen Schiffes überwachen und im Notfall jederzeit eingreifen können.

Bild: Yara International ASA

Die Yara Birkeland ist rund 80 Meter lang und 15 Meter breit. Die Höchstgeschwindigkeit soll 13 Knoten betragen. Das Batteriepack mit 7 – 9 MWh sorgt für den Antrieb des vollelektrischen Schiffsmotors. Die Kapazität beträgt 120 TEU ( Twenty-foot Equivalent Unit / international standardisierte Einheit für Containergrößen). Die gesamte Tragfähigkeit beträgt 3.200 metrische Tonnen.

Für die erste, bemannte, Testphase des emissionsfreien Schiffsverkehrs in Norwegen wird eine abnehmbare Kommandobrücke mit Manövrier- und Navigationsgeräten installiert. So bald die Yara Birkeland autonom fährt, wird die Brücke wieder abmontiert. Das Projekt für das erste autonome Elektro-Containerschiff der Welt wird vom norwegischen Regierungsunternehmen ENOVA mit 133,6 Mio. norwegischen Kronen, etwa 13,5 Millionen Euro, unterstützt.

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