Schiffsverkehr

Wie umweltfreundlich sind Kreuzfahrtschiffe?

Die Kreuzfahrtbranche vermeldet seit Jahren steigende Passagierzahlen. Und nach aktuellen Schätzungen geht dieser Boom auch in naher Zukunft unvermindert weiter. Dem großen Erfolg steht allerdings massive Kritik von Umweltschützern gegenüber. Abseits der Hysterie auf beiden Seiten bleibt daher die Frage: Gibt es eigentlich umweltfreundliche Kreuzfahrtschiffe und was macht die Branche gegen Schadstoffemissionen?

Immer mehr Kreuzfahrer

Nach Zahlen des internationalen Kreuzfahrtverbands CLIA (Cruise Lines International Association) unternahmen im Jahr 2018 weltweit 28,52 Millionen Passagiere eine Kreuzfahrt. Das bedeutet ein Plus von 6,7 Prozent gegenüber 2017. Auf Deutschland entfallen immerhin 2,23 Millionen Kreuzfahrer und ein Plus von drei Prozent.

Laut der Weltorganisation für Tourismus UNWTO (UNESCO World Conference on Tourism and Culture) World Tourism Barometer 2018 entspricht die Anzahl der Kreuzschiff-Passagiere etwa zwei Prozent der gesamten globalen Reisebranche.

Schweröl – der Treibstoff aus dem die Kreuzfahrtträume sind

Noch immer fahren ein Großteil der Kreuzfahrtschiffe – wie auch Cointainerschiffe – mit Schweröl. Dabei handelt es sich um Rückstandsöl, das aus der Erdölverarbeitung stammt. Bei der Verbrennung verursacht dieses Schweröl wesentlich mehr Schadstoffe als herkömmlicher Diesel. Zudem bleiben rund 1 – 2 Prozent der verbrauchten Brennstoffmenge als hochgiftiger Ölschlamm zurück. Dieser muss im Hafen entsorgt oder an Bord auf hoher See verbrannt werden. Wieviel davon illegal und somit kostenlos im Meer entsorgt wird, ist leider nicht feststellbar. Immerhin: Der Grenzwert für den Schwefelgehalt von Kraftstoffen im internationalen Schiffsverkehr wurde ab 01. Januar 2020 von 3,5 auf 0,5 Prozent gesenkt.

Kreuzfahrtschiffe in der Minderheit

Die Realität ist aber auch, dass die Kreuzschiffahrt nur einen verschwindend geringen Anteil am gesamten Schiffsverkehr einnimmt. 40.000 Handelsschiffen stehen gerade einmal 500 Kreuzfahrtschiffe gegenüber. (Quelle: Umweltbundesamt)

Trotzdem: die Branche ist gehörig unter Druck. Bilder, in denen Kreuzfahrtschiffe vor einem Hafen liegen und mit dicken Rauchschwaden die Luft der Anwohner verpesten, gibt es zu Hauf. Auch Statistiken, bei denen die immer größer werdenden Ozeanriesen einen Energiebedarf wie eine Kleinstadt aufweisen, zeigen den energetischen Irrsinn dieser Art Urlaub zu machen. Und die Tatsache, dass die Kreuzfahrtschiffe bis in den letzten Winkel der Erde eindringen und ökologisch sensible Gebiete befahren, macht diese Art des Tourismus nicht gerade sympathischer.

Werden Kreuzfahrtschiffe bald umweltfreundlicher?

Spätestens seit der Suche nach alternativen Kraftstoffen für Autos sind auch umweltfreundlichere Lösungen für den Antrieb dieser überdimensionierten Schiffe in der Diskussion. Und tatsächlich: Die Schiffahrtbranche bewegt sich – wenn auch in kleinen Schritten. Ob es aus Eigeninitiative geschieht oder doch eher aus Imagegründen sei dahingestellt. Zumindest gibt es mittlerweile eine kleine Anzahl an Schiffen, die mit alternativen Antrieben fahren.

Welche alternativen Kraftstoffe und Antriebe für Schiffe gibt es?

LNG: Als Liquefied Natural Gas bezeichnet man Erdgas, das auf -162 Grad gekühlt und verflüssigt wird. Nach dieser Verdichtung beträgt das Volumen nur noch 1/600 des ursprünglichen Gasvolumens. Flüssigerdgas kann daher ideal auf dem Seeweg über längere Strecken transportiert werden und eignet sich vor allem auch als Kraftstoff für Verkehrsmittel mit hohem Energiebedarf.

Seit einiger Zeit wird LNG vermehrt als Kraftstoff für Schiffe genutzt. Im Vergleich zu herkömmlichem Schiffsdiesel sinken mit Flüssigerdgas die Stickoxidemissionen um bis zu 70 Prozent. Als erstes Kreuzfahrtschiff der Welt wird die Aida Nova seit Ende 2018 zu 100 Prozent mit LNG betrieben. 2021 und 2023 sollen zwei weitere Aida-Schiffe mit Flüssigerdgasantrieb in See stechen. Auch andere Reedereien wollen in den nächsten Jahren vereinzelt auf LNG als Schiffskraftstoff umsteigen.

Hybridantrieb: Im Mai 2019 ging mit der „MS Roald Amundsen“ von Hurtigruten das erste Kreuzfahrtschiff mit Hybridantrieb auf Reisen. Bei dieser Technik werden die Motoren von Lithium-Ionen-Akkus unterstützt. Auf diese Weise kann der Ozeanriese bis zu 30 Minuten vollelektrisch angetrieben werden. Nach Angaben von Hurtigruten sinken dadurch Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß um 20 Prozent. Als zweites Hybridschiff wird Hurtigruten im Laufe des Jahres dann die „MS Fridtjof Nansen“ auf Kreuzfahrt schicken.

Brennstoffzelle: Bis Schiffe mit Brennstoffzelle über die Meere fahren, werden sicherlich noch einige Jahre vergehen. Doch zumindest gibt es mehrere Forschungsprojekte, die den Brennstoffzellenantrieb für den Schiffsverkehr marktfähig machen wollen. So arbeiten beispielsweise die norwegische „Havyard Group“ und das Brennstoffzellen-Unternehmen „PowerCell Sweden“ seit November 2019 an der Entwicklung eines Wasserstoff-Brennstoffzellensystem für große Schiffe. Der erste funktionsfähige Fuell-Cell-Schiffsantrieb kommt voraussichtlich ab 2021 in einer Fähre von „Havila Kystruten“ in Norwegen zum Einsatz.

Wie ein emissionsfreier und alternativer Kraftstoff für die Schifffahrt der Zukunft aussehen könnte, zeigt die Energy Observer, die sich seit 2017 auf Weltumseglung befindet. Der ehemalige Rennkatamaran wird von zwei Elektromotoren mit je 41 Kilowatt angetrieben. Der Wasserstoff für den Brennstoffzellenantrieb wird selbständig und direkt an Bord aus Meerwasser gewonnen.

Landstrom: Eine weitere Belastung für Umwelt und vor allem für die Anwohner der Hafenstädte sind die sogenannten Liegezeiten der Ozeanriesen. Denn während die Handels- und Kreuzfahrtschiffe im Hafen liegen, laufen die Motoren zur Energieversorgung einfach weiter. Damit während dieser Zeiten keine Kraftstoffe mehr verbrannt werden, ist eine Umrüstung auf Landstromanlagen dringend notwendig. Leider gibt es aktuell nicht einmal 20 Häfen, die über solche Anlagen verfügen. Auch die wenigsten Schiffe sind mit der notwendigen Technik ausgerüstet.

Damit sich das ändert, fördert die Bundesregierung seit Oktober die Nutzung von Landstrom aus erneuerbaren Energien. Das Förderprogramm in Höhe von 140 Millionen Euro ist Teil des Klimapakets der großen Koalition. Die Seehäfen Hamburg, Kiel und Rostock planen bereits umfangreiche Ausbaumaßnahmen. Zuletzt wurde im Mai 2019 in Kiel eine Landstromanlage für den Fährverkehr in Betrieb genommen.

Die Schifffahrt in der Zukunft: Alternative Antriebe gegen Gigantismus

Während sich im Straßenverkehr zumindest in kleinen Schritten ein Wechsel zu alternativen Antrieben abzeichnet, bleibt die maritime Branche noch immer vieles schuldig. Darüber können auch die sehr überschaubaren Versuche weniger Reedereien nicht hinweg täuschen. Ob der Schwefelgehalt im Schiffskraftstoff sinkt oder LNG in wenigen Schiffen Schweröl ersetzt, ist dabei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn ähnlich wie auch im Straßenverkehr ist eines festzustellen: Es hilft herzlich wenig, wenn die Kraftstoffe etwas sauberer werden und die Motoren schrittweise effizienter arbeiten, aber gleichzeitig die Autos, Schiffe und Flugzeuge immer größer werden!

Das beste Beispiel, wie der Effekt alternativer Antriebe und effizienter Motoren verpufft, ist das aktuell größte Kreuzfahrtschiff der Welt, die „Harmony of the Seas.“ Das Ungetüm ist 362 Meter lang und bietet Platz für 5.479 Passagiere – plus Besatzung von 2.384 Personen! Und wer 4 Swimmingpools, 10 Whirlpools, Basketballplatz, Eiskunstlaufbahn, Shoppingmall, rund 20 Restaurants sowie diverse weitere Sportplätze, Shops und Kinos über das Meer bewegen will, der braucht einfach unfassbar viel Energie. Für die Harmony of the Seas bedeutet das: 150 Tonnen Schweröl als Treibstoff, fünf Tonnen Stickoxide und 450 Kilogramm Feinstaub – pro Tag wohlgemerkt! (Quelle: The Guardian, 21. Mai 2016)

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