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CargoCap: Gütertransport unter der Erde

Bekommt das unterirdische Güter-Transportsystem eine Chance oder bleibt es eine Utopie?

CargoCap ist ein Güter-Transportsystem, bei dem Waren in kleinen Kapseln unter der Erde befördert werden. Die ursprüngliche Idee stammt aus dem Jahr 1998. Nachdem es in den letzten Jahren sehr ruhig um CargoCap wurde, veranlasste die Stadt Bergisch Gladbach nun überraschend eine Machbarkeitsstudie über den Bau des unterirdischen Transportsystems.

Unterirdische Rohrpost gegen den Verkehrskollaps

Seit Jahren nimmt der Verkehr auf deutschen Straßen kontinuierlich zu. Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Gleichzeitig leiden Mensch und Umwelt immer mehr unter den negativen Begleiterscheinungen Stau, Lärm, Flächenfraß und Schadstoffemissionen. Ideen und Visionen gegen den Verkehrsinfarkt gibt es viele. Doch eine konkrete Lösung lässt noch immer auf sich warten.

Bereits im Jahr 1998 entstand ein Forschungsprojekt, das all diese Probleme auf einmal lösen wollte: CargoCap. Aber weil das Interesse von Wirtschaft und Politik nach anfänglicher Euphorie wieder verflachte, schien die Idee des unterirdischen Gütertransports gescheitert. Bis vor wenigen Monaten: Denn in Bergisch Gladbach soll nun ein Team aus Wissenschaftlern in einer Machbarkeitsstudie feststellen, ob das CargoCap-System finanziell und logistisch umsetzbar ist.

Was ist CargoCap?

Beim CargoCap-System werden von oberirdischen Verteilzentren (Hubs) aus Güter unter die Erde befördert und in sogenannte Caps (Kabinen, Kapseln) verladen. Diese Transportfahrzeuge bieten Platz für zwei bis drei Euro-Paletten und werden vollautomatisiert durch unterirdische Rohrleitungen zum Ziel transportiert. Der Innendurchmesser der Rohrleitungen beträgt 2,80 Meter. Die Geschwindigkeit der Caps liegt bei rund 10 Meter pro Sekunde, was in etwa 36 km/h entspricht. Der Antrieb der Transportkapseln erfolgt vollelektrisch über Drehstrommotoren; die Energieübertragung mittels elektromagnetischer Induktion.

CargoCap Kolonne | Bild: visaplan GmbH

Der Empfänger nimmt die Ladung an einem oberirdischen CargoCap-Hub entgegen. Diese Stationen können als Logistikzentrum in Innenstädten oder direkt an Fließbändern errichtet werden. Alternativ dazu können von dort aus die Güter an ein bereits bestehende Verkehrssystem angeschlossen und weiterverteilt werden. Die jeweiligen Hubs sind die einzige Verbindung zur Oberfläche.

Die Geschichte von CargoCap

Modellstrecke CargoCap System in Bochum
Foto: CargoCap GmbH

Das System wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts im Jahr 1998 entworfen und vom Forschungs- und Wirtschaftsministerium Nordrhein-Westfalen gefördert. Von 2006 bis 2015 wurden alle Funktionen des CargoCap-Systems an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) getestet. Dazu wurde eine Modellstrecke im Maßstab 1:2 in einem stillgelegten Kraftwerk-Maschinenhaus errichtet. Auf einer Fläche von rund 1.200 Quadratmetern konnten bis zu drei Fahrzeuge vollautomatisch fahren.

Zur Realisierung des Projekts gründete Prof. Dr.-Ing. Dietrich Stein im Jahr 2006 die CargoCap GmbH. Er war es auch, der das damalige Forschungsprojekt an der Uni Bochum leitete. Stein ist bis heute Geschäftsführer des Unternehmens.

Machbarkeitsstudie für Bergisch Gladbach

Nachdem Professor Stein und seine Mitstreiter fast 20 Jahren vergeblich versuchten, Ihre Idee in die Realität umzusetzen, bekommt das unterirdische Transportsystem vielleicht doch noch eine Chance. Die Stadt Bergisch Gladbach hat nun offiziell eine Machbarkeitsstudie für den Bau einer CargoCap Strecke in Auftrag gegeben. Neben finanziellen und ökologischen Fragen soll auch untersucht werden, ob bei den regionalen Unternehmen überhaupt Interesse an einem unterirdischen Transportsystem besteht.

Für Harald Flügge, Erster Beigeordneter der Stadt Bergisch Gladbach, könnte CargoCap tatsächlich eine Lösung sein, um den zunehmenden Güterverkehr aus der Innenstadt zu verbannen: „Die geförderte Machbarkeitsstudie ist ein Meilenstein, um für Bergisch Gladbach neue Wege für eine verkehrsentlastende und nachhaltige Logistik diskutieren zu können und die Innenstadt von Schwerlastverkehren zu entlasten.“

Transport in beide Richtungen

In der Machbarkeitsstudie werden mehrere Standorte für ein Güterverteilzentrum im Süden der Stadt an der A4 geprüft. Von dort aus sollen die ankommenden Güter per Caps in die Innenstadt zu einem neu zu errichtenden City-Hub transportiert werden. Gleichzeitig können Produkte oder auch Abfälle auf selbem Weg aus der Stadt heraus transportiert werden.

Die Stadt Bergisch Gladbach und die CargoCap GmbH beteiligen sich mit jeweils 30.000 Euro an der Studie. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt gewährt einen Zuschuss von 180.000 Euro. Die Durchführung der Studie übernehmen partnerschaftlich die Hochschule Düsseldorf, das Ruhr-Forschungsinstitut für Innovations- und Strukturpolitik sowie das Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

Ob dies nun der Durchbruch für das CargoCap-System ist, steht in den Sternen. Fest steht allerdings, dass die Idee, Verkehr unter die Erde zu befördern, seit einigen Jahren auch von anderen forciert wird. Das wohl bekannteste Projekt ist das unterirdische Hochgeschwindigkeits-Transportsystem Chicago Express Loop. Dabei verkehren elektrisch betriebene „Skates“ mit Höchstgeschwindigkeiten bis 240 km/h durch Röhrentunnel. Die Umsetzbarkeit des Chicago Express Loop wird seit einigen Monaten ebenfalls in einer Machbarkeitsstudie untersucht.

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