Urbane MobilitätVerkehrssysteme

Siemens Val: vollautomatisierter People Mover für den ÖPNV

Cityval oder Airval: Das fahrerlose Verkehrssystem von Siemens gewinnt einen großen Teil seiner benötigten Energie durch Brems-Rekuperation.

Der ‚Val‘ ist ein vollständig automatisiertes, gummibereiftes und schienengeführtes Verkehrssystem zur Personenbeförderung. Er wird von Siemens als Cityval für den innerstädtischen ÖPNV oder als Airval zur Personenbeförderung an Flughäfen vertrieben. Weltweit hat Siemens Mobility bereits elf vollautomatische People Mover des Val-Typs realisiert.

Die Geschichte des Val

Der Siemens People Mover wurde ursprünglich vom französischen Karosseriebau-Unternehmen Matra in den 1970er Jahren unter dem Namen Véhicule automatique léger (leichtes automatisches Fahrzeug) entwickelt. Die erste kommerzielle Val-Strecke fuhr ab 1983 in Lille. Es war die erste vollautomatisierte Metro-Strecke der Welt. Das Val-System in Lille ist nach wie vor in Betrieb und wurde 1989 um eine zweite Linie erweitert. Ab 1996 begann der Siemens-Konzern schrittweise mit der Übernahme der Matra-Fahrzeugsparte. Seit 2001 ist das Val-System komplett bei Siemens.

Der Val als moderner People Mover

Siemens selbst bezeichnet den Val der neuesten Generation als „vollautomatischen APM-Automated People Mover, der die geringstmöglichen Gesamtbetriebskosten für Städte und Flughäfen bietet.“ Das Val-System kann flexibel auf die jeweiligen Transportbedürfnisse angepasst werden. Die Anzahl der eingesetzten Wagen ist bis zu maximal neun frei konfigurierbar. Ein Zug mit zwei Wagen ist 22,40 Meter lang. Kurze Fahrzeugfolgen von lediglich 60 Sekunden ermöglichen die zügige Beförderung hoher Fahrgastzahlen. Die Höchstgeschwindigkeit des Val beträgt rund 80 km/h.

Das Siemens Val-System fährt schienengeführt und zeichnet sich durch schnelle Beschleunigungs- und kurze Abbremsphasen aus. Mit der Gummibereifung kann das System besonders gut Steigungen überwinden und enge Kurven bewältigen. Daher kann die Streckenführung auf örtliche Gegebenheiten angepasst werden, was die Baukosten in vielen Fällen enorm reduziert. Das Val-System ist im Betrieb zudem vergleichsweise geräuscharm. Während Val-Systeme der älteren Generation noch auf zusätzliche seitliche Gummiräder zur Spurführung angewiesen waren, benötigen Siemens Val-Systeme der neuesten Generationen nur noch vier Gummiräder pro Wagen.

Dank moderner Energiespeicher- und Energierückgewinnungssysteme, wie beispielsweise Brems-Rekuperation, kommen die Züge ohne Stromversorgung zwischen den Stationen aus. Die Val-Züge der neuesten Generation werden lediglich während der Haltezeiten an den Stationen mit Energie versorgt. Dadurch sind weder Stromschienen noch Oberleitungen zur Energieversorgung nötig, was die Bau- und Unterhaltskosten für Val-Systeme zusätzlich senkt.

Cityval in Taipei, frühere Generation, Quelle: Taiwan Junior, CC BY 3.0

Siemens Airval und Cityval

Siemens bietet das Val-System als Airval und Cityval an. Der Airval ist als AGT-System (Automated Guideway Transit) speziell für Flughafenumgebungen mit hohem Verkehrsaufkommen konzipiert. Der Innenraum ist an den Komfort für Passagiere mit Gepäck angepasst. Die Airval-Wagen sind 2,80 Meter breit.

Der Cityval ist als vollautomatisiertes modulares ÖPNV-Verkehrssystem für die Personenbeförderung in dicht besiedelten Großstädten gedacht. Der Streckenverlauf kann auf Hochbrücken, ebenerdig oder in Tunneln angelegt werden. Der Siemens Cityval passt sich übergangslos an das jeweilige Fahrgastaufkommen an und ist ohne Störung des Verkehrs einfach skalierbar. Der Cityval ist 2,65 Meter breit und damit etwas schmaler und wendiger als sein Flughafen-Kollege.

Siemens Airval ab 2023 am Frankfurter Flughafen

Ab 2023 wird der Siemens Airval am Frankfurter Flughafen eingesetzt. Auf einer 5,6 Kilometer langen Strecke verbindet der vollautomatisierte People Mover das Terminal 2 mit dem neuen Terminal 3 und dem Bahnhof am Terminal 1. Die Airval-Züge werden im Zwei-Minutentakt verkehren und sieben Tage die Woche jeweils 24 Stunden am Tag in Betrieb sein. Zu Hauptverkehrszeiten kann das Siemens Val-System in Frankfurt mehr als 4.000 Passagiere pro Stunde und Fahrtrichtung befördern.

Siemens Cityval: zweite Linie für Rennes ab 2020

Ab 2020 werden im französischen Rennes 25 neue zweiteilige Cityvals als U-Bahn-System in Betrieb gehen. Es ist bereits die zweite Linie für Rennes. Die Taktzeit zwischen den einzelnen Siemens Cityval-Zügen beträgt zur Hauptverkehrszeit nur 67 Sekunden. Jeder Einzelwagen bietet Platz für einhundert Passagiere. Die Gesamtkapazität ist anfangs für 4.000 Fahrgäste pro Stunde und Richtung ausgelegt und kann später auf bis zu 15.000 Personen erhöht werden.

Doppelwagen neuester Generation, Cityval Rennes, Quelle: Falk2 CC BY-SA 4.0

Stand Februar 2019 sind bereits elf vollautomatische Siemens Val-Verkerssysteme im Einsatz oder in Bau. Der Airval verkehrt in Chicago (seit 1993) und Paris (seit 1991). Die Strecken in Bangkok (ab 2020) und Frankfurt (ab 2023) sind im Bau. Der Cityval fährt in Lille (seit 1983, zweite Linie seit 1989), Toulouse (seit 1993, zweite Linie seit 2007) Taipei, Taiwan (seit 1996), Rennes (seit 2002, zweite Linie ab 2020), Turin (seit 2006) und Uijeongbu, Südkorea (seit 2012).

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