Visionen

Maidar City: Ökostadt statt Wüste Gobi

Die Ökostadt Maidar City dient als Erweiterung der mongolischen Hauptstadt und soll bis zu 300.000 Menschen Platz bieten.

In der mongolischen Steppe, rund 30 Kilometer Luftlinie von der Hauptstadt Ulaanbaatar entfernt, entsteht Maidar City. Die Ökostadt wurde nach internationalen Prinzipien des Klimaschutzes vom Kölner Architekturbüro RSAA GmbH und Stadtplaner Stefan Schmitz entworfen. Bis 2030 soll der erste Bauabschnitt für rund 90.000 Einwohner fertiggestellt sein. Insgesamt sollen in der Ökostadt Maidar City einmal 300.000 Menschen leben.

50 Prozent Bevölkerungszuwachs in 20 Jahren

Die mongolische Hauptstadt Ulaanbaatar ist die perfekte Blaupause für wachsende Megacities auf der ganzen Welt. Die Mongolei ist viereinhalb mal so groß wie Deutschland und gleichzeitig der am dünnsten besiedelte Staat weltweit. Doch allein in der Hauptstadt Ulaanbaatar leben 1,5 Millionen Menschen und somit fast die Hälfte der gesamten Landesbevölkerung. Der Grund: die massive Landflucht der mongolischen Nomaden. Und weil sich die Nomaden den Standplatz ihrer Jurte (das traditionelle Zelt der Mongolen) meist frei aussuchen können, wächst Ulaanbaatar in rasender Geschwindigkeit.

In den Jurten wiederum wird zum größten Teil mit Rohkohle geheizt. Vermischt mit den Verkehrsabgasen der Stadt entsteht eine Luftbelastung, die europäische Grenzwerte teils um das zehnfache überschreitet. Hinzu kommt die Überlastung von Wasser- und Stromversorgung, sowie Immobilienpreise, die sich fast kein Einheimischer leisten kann.

Eine Lösung musste her – und die lag gar nicht so weit entfernt. Am südlichen Rand des Bogd Khan-Gebirges, rund 30 Kilometer Luftlinie von Ulaanbaatar entfernt, sollte ursprünglich „nur“ ein religiöses Zentrum errichtet werden. Doch schon bald entschied die mongolische Regierung, dass die Erweiterung der Hauptstadt Ulaanbaatar genau dort entstehen solle.

Die Stadt der kurzen Wege

Die Ökostadt Maidar City wird nach modernsten europäischen Standards des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit von deutschen Architekten, Ingenieuren und Entwicklern geplant. Im Zentrum der Stadt befindet sich eine Buddha-Statue, die mit 54 Metern Höhe sogar die Freiheitsstatue von New York übertrifft. Die Statue des „Buddha Maitreya“ war auch das erste Bauwerk, das in Maidar errichtet wurde. Um sie herum soll die neue Stadt in unterschiedlichen Bauphasen entstehen. Wichtigster Entwurfsgedanke des Stadtplaners Stefan Schmitz war es, eine „Stadt der kurzen Wege“ zu entwickeln. In der Ökostadt Maidar City soll jeder Stadtteil für sich autonom als „Stadt in der Stadt“ funktionieren. Jedes Viertel bietet Platz für Wohnen, Arbeiten, Kultur, Freizeit, Bildung und Gesundheitsvorsorge.

Plan Maidar City | Bild: RSAA GmbH

Selbstversorgung und erneuerbare Energien

Zwischen den jeweiligen Stadtteilen liegen Grünanlagen, die den Bewohnern als Naherholungsorte dienen. Um die Selbstversorgung der Stadt so weit wie möglich zu gewährleisten, werden südlich von Maidar City landwirtschaftliche Nutzflächen angelegt. Diese Flächen sollen ausserdem der weiteren Ausbreitung der Wüste Gobi entgegenwirken.

Für die Energieversorgung der Stadt sollen hauptsächlich erneuerbare Energien sorgen. Aktuell wird bereits östlich von Maidar City eine bestehende Windkraftanlage auf eine Kapazität von 1,5 Megawatt ausgebaut. Das abfließende Regenwasser der nahegelegenen Berge wird gesammelt, gereinigt und in einen Trinkwassersee geleitet werden. Der Trinkwassersee soll gleichzeitig als Naherholungsgebiet für die Stadtbevölkerung genutzt werden.

Verkehr in Maidar City

Das Verkehrssystem von Maidar City ist so konzipiert, dass weitgehend auf private Pkw verzichtet werden kann. Als Hauptverkehrsader der Ökostadt dienen die sogenannten „urban arteries“, die ausschließlich für Fußgänger, Radfahrer und elektrisch angetriebene öffentliche Verkehrsmittel gedacht sind. Die „Arterien“ verbinden die Zentren der einzelnen Stadtteile direkt miteinander und sind kreuzungsfrei zu den Straßen des motorisierten Verkehrs angelegt. An den “urban arteries“ befinden sich zudem die wichtigsten Versorgungseinrichtungen der Ökostadt.

Green Street in Maidar mit PRT | Bild: RSAA GmbH

Die „Green Street“ ist ein weiterer wichtiger Bestandteil für einen umweltfreundlichen Stadtverkehr in Maidar City. Geplant ist, auf der Green Street ein Public Rapid Transit System (PRT) zu installieren. Beim PRT handelt es sich um elektrisch betriebene, autonom fahrende Kabinen-Fahrzeuge, die von den Passagieren on-Demand genutzt werden können. Der Public Rapid Transit war unter anderem Teil der Stadtplanung in Abu Dhabis Ökostadt Masdar City. Seit 2010 wird der Public Rapid Transit am Flughafen in London-Heathrow erfolgreich für den Personennahverkehr eingesetzt.

Welche Zukunft hat die Ökostadt Maidar?

Wie bei vielen ambitionierten Ökostadt-Projekten steht und fällt die Umsetzung mit der Finanzierung. Maidar City soll zum Teil von der mongolischen Regierung, größtenteils aber von privaten Investoren finanziert werden. Inwieweit diese Investoren auch tatsächlich Lust auf den Ökogedanken haben, wird die Zukunft zeigen.

Ein negatives Beispiel, wie das Schicksal einer Ökostadt nicht verlaufen sollte, bietet das arabische Pendant Masdar City. Ursprünglich war dort ein autoloses Verkehrssystem mit PRT und Hochbahn zentraler Bestandteil der Stadtplanung. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sollten eigentlich vor der Stadt geparkt werden. Da die Menschen in der arabischen „Ökostadt“ aber doch nicht auf ihre Autos verzichten wollten, werden in Masdar nun nachträglich die Straßen für den Autoverkehr verbreitert und Tiefgaragen in den Wohnanlagen eingerichtet.

Bleibt zu hoffen, dass wenigstens die mongolische Ökostadt Maidar City genau so umgesetzt wird, wie von Stefan Schmitz und seinen Kollegen ursprünglich geplant. Denn eigentlich hätte die Welt schon lange ein positives Beispiel für eine funktionierende Ökostadt verdient!

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