Urbane MobilitätVisionen

Masdar City – die Vision einer Ökostadt und was daraus wurde

Selbstfahrende Elektrofahrzeuge, vollständige Energieversorgung durch erneuerbare Energien und eine energiesparende Architektur –  es klingt wie die perfekte Vision für Stadtleben in der Zukunft. Mitten in der Wüste der Vereinigten Arabischen Emirate, rund 20 Kilometer von der Hauptstadt Abu Dhabi entfernt, entsteht seit 2008 Masdar City. Geplant wurde eine gigantische Ökostadt, die auf einer Fläche von sechs Quadratkilometern ca. 50.000 Einwohnern sowie zahlreichen Instituten und Firmen aus dem Bereich erneuerbare Energien und Ökologie Platz bieten soll. Der Bau der Stadt begann 2008. Im Jahr 2018 sollte Masdar City fertiggestellt sein.

Die Idee einer Ökostadt mitten in der Wüste

Der ursprüngliche Plan lautete: Ein Solarpark sowie ein Ring aus Windkraftanlagen rund um Masdar City garantieren die emissionsfreie Stromversorgung der Ökostadt. Masdar City soll vollständig mit erneuerbaren Energien versorgt werden und somit weitgehend CO2-Neutral sein. Solarbetriebene Meerwasserentsalzungsanlagen sorgen für die Wasserversorgung der Bewohner. Mit fossilen Brennstoffen betriebene Fahrzeuge müssen vor den Toren der Stadt abgestellt werden. Das öffentliche Verkehrsnetz besteht aus elektrisch betriebenen Gondeln (Personal Rapid Transit), mit denen Fahrgäste zu jeder Zeit an jeden Ort der Stadt fahren können. Im Stadtzentrum soll die nächste Haltestelle für öffentliche Verkehrsmittel maximal 200 Meter entfernt sein.

Anstatt, wie in anderen arabischen Metropolen üblich, gigantische Hochhäuser zu bauen, planten die Architekten für Masdar City eng beieinander stehende Häuser. Diese sind auf eine Höhe von maximal fünf Stockwerke begrenzt. Die nach oben hin schräge Bauweise mit um 45 Grad nach außen versetzten Balkonen sorgt für große Schattenflächen in den Gassen der Stadt. Zentral gelegene Windtürme bringen zusätzliche Kühlung. Diese spezielle Architektur sorgt dafür, dass die Temperatur in den Straßen von Masdar City etwa um 10 Grad unter der von Abu Dhabi liegt. Neben einem wesentlich angenehmeren Klima für die Bewohner wie dadurch auch der Energieverbrauch durch Klimaanlagen um ein vielfaches gesenkt.

Eine Stadt verzichtet auf Autos – urbaner Verkehr in Masdar City

Das Verkehrssystem von Masdar City wurde auf drei Ebenen geplant. Auf der untersten Ebene sorgt ein weit verzweigtes Personal-Rapid-Transit-Netz (PRT) für den Personenverkehr sowie für den Waren- und Gütertransport. Beim Personal Rapid Transit handelt es sich um führerlose, mit Elektromotor betriebene Gondeln, die von magnetischen Schienen geleitet werden. Das grundlegende Konzept des PRT sieht vor, dass die Gondeln individuell an eine Haltestelle bestellt werden können und den Fahrgast vollautomatisch, ohne Wartezeit, ans Ziel bringen. Für das PRT-Netz in Masdar City waren über 1.500 vorprogrammierte Start- und Zielpunkte geplant. Nahezu jeder Punkt in Masdar City sollte bequem und individuell zu jeder Zeit per Personal Rapid Transit erreichbar sein.

PRT Station in Masdar City, Foto: masdar.ae

Die mittlere, ebenerdige Ebene war ausschließlich für Fußgänger und Fahrräder vorgesehen. Auf der dritten Ebene war eine Hochbahn geplant. Diese sollte Masdar City an den sechs Kilometer entfernten Abu Dhabi International Airport anschließen. Zusätzlich sollte die Hochbahn Touristen, Pendler und Besucher der Ökostadt mit anderen Stadtteilen in Abu Dhabi verbinden.

Mit fossilen Brennstoffen betriebene Fahrzeuge waren im ursprünglichen Verkehrskonzept von Masdar City nicht zugelassen. Besucher sollten Ihr Auto in einem der Parkhäuser am Stadtrand abstellen. Die Innenstadt vom Masdar City wäre ausschließlich mit Hochbahn oder dem Personal Rapid Transit (PRT) erreichbar gewesen.

Vision und Realität – so sieht Masdar City heute aus

Baukräne ragen in die Höhe, eine überschaubare Anzahl an Menschen flaniert durch die leeren Straßen der Stadt. Gerade einmal etwa ein Quadratkilometer in Masdar City sind fertig gebaut. Bis 2021 möchte man 35 % des Bauplans fertiggestellt haben. Immerhin befindet sich seit 2014 das Siemens Hauptquartier für die Region „Middle East“ in Masdar City; ebenso die Internationale Organisation für erneuerbare Energien ( IRENA / International Renewable Energy Agency ). Vom Rest der ursprünglich geplanten Firmen und Institute fehlt zumeist jede Spur. Gerade einmal um die 3000 Menschen leben, arbeiten und studieren in Masdar City.

Windturm im Zentrum von Masdar, Foto: Nigel Young / Foster + Partners

Offiziell war es vor allem die Weltwirtschaftskrise, die das visionäre Bauvorhaben unterbrach. Nach einer Pause begann dann im Jahr 2017 ein Bauschub, der aktuell anhält.  Nach neuesten Angaben soll Masdar City frühestens 2030 fertig gestellt sein. Zumindest entstanden bereits auf über 22 Hektar Photovoltaik-Anlangen, die ein stolze Menge an Strom erzeugen. Auch Eine Shopping-Mall wurde gebaut; einige hundert Wohnungen wurden bezogen. Das wesentlich kühlere Klima in Vergleich zu den umliegenden Metropolen ist dank der Architektur definitiv zu spüren. Doch eines der visionärsten Ziele, ein emissionsfreies Verkehrssystem für die Stadt, bleibt Utopie.

Wie war das nochmal mit dem Verkehr in Masdar City?

Die Wohnblöcke werden nun nachträglich mit Tiefgaragen ausgestattet! Denn auch in eine „Ökostadt“ fährt der Mensch am liebsten mit seinem eigenen Auto – und am liebsten natürlich bis direkt vor die Haustüre. Und wo Autos fahren, braucht es breite Straßen. Deshalb werden aktuell in Masdar City neben Tiefgaragen vor allem Straßen gebaut.

Da auch von der geplante Hochbahn nach Abu Dhabi bisher noch nichts zu sehen ist, fahren die Berufspendler und Bewohner wie gewohnt mit dem Auto in die Stadt. Achja, den Personal Rapid Transit gibt es in Masdar City übrigens tatsächlich. Die PRT Strecke ist etwa 1,4 Kilometer lang und verbindet bisher lediglich zwei Stationen. Ob der Personal Rapid Transit in Masdar City zukünftig den indivuellen Autoverkehr ersetzen kann, scheint ob der zahlreichen neugebauten Straßen und Tiefgaragen tatsächlich eine Vision zu bleiben.

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