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Personal Rapid Transit – die Zukunft des Personenverkehrs?

Wie ein Konzept aus den 50er Jahren die Urbane Mobilität revolutionieren könnte

Personal Rapid Transit (PRT) ist ein mittlerweile international gebräuchlicher Oberbegriff für führerlose, elektrisch betriebene Gondeln, die sowohl zur Personenbeförderung als auch zum Transport von Gütern genutzt werden können. Die ursprüngliche Idee für den PRT reicht bis in die 1950er Jahre zurück. Erste ernstzunehmende Teststrecken entstanden in den 1970er Jahren. In der Anfangsphase des PRT benötigten die Gondeln noch Gleise und klassische Schienensysteme zur Fortbewegung. Mittlerweile gibt es Personal Rapid Transit-Systeme, die auf Gummireifen fahren oder sich entlang magnetischer Schienen bewegen.

Die Geschichte des Personal Rapid Transit

Eines der ersten, größeren Versuchsprojekte in Deutschland entstand 1973 in Hagen (NRW) unter Förderung des Bundesministeriums für Forschung und Entwicklung. Die erste Teststrecke für das „Cabinentaxi“ war 150 Meter lang und wurde am 6. September 1973 in Hagen-Vorhalle eröffnet. Am 11. November 1974 wurde die Teststrecke dann auf 1,5 Kilometer erweitert. Die Besonderheit des damaligen Konzepts war, dass auf der selben Gleisstrecke die Kabinen auf beiden Ebenen – also sowohl als „Hochbahn“ sowie als „Hängebahn“ – fahren konnten. Dadurch war die Fortbewegung in zwei Fahrtrichtungen mit nur einem Schienensystem gleichzeitig möglich. Die Teststrecke wurde einige Jahre später auf 1,9 Kilometer ausgeweitet, ehe die komplette Versuchsanlage im Juli 1981 stillgelegt und anschließend vollständig abgebaut wurde.

Das folgende Video zeigt einen Werbefilm von 1974 über das Cabinentaxi (mit englischem Sprecher)

Als der PRT noch Cabinenlift hieß

1975 wurde auf dem Gelände des Kreiskrankenhaus Ziegenhain (Hessen) eine rund 600 Meter lange Strecke unter dem Namen „Cabinenlift“ errichtet. Der Cabinenlift verkehrte zwischen zwei Krankenhausgebäuden und diente zur Beförderung von Patienten und Personal. Die Kabinen wurden vollautomatisch gesteuert, erreichten eine Geschwindigkeit von ca. 25 km/h. Der Antrieb erfolgte auch damals  schon vollelektrisch. Der Cabinenlift wurde 2002 stillgelegt und nach und nach stückweise abgebaut.

Zwischen 1973 und 1987 gab es weitere PRT-Teststrecken am Flughafen Paris-Orly sowie am Boulevard Victor in Paris. Der „PRT Aramis“ wurde mit elektrischem Rotationsmotor betrieben und fuhr auf Gummireifen. Das Besondere am PRT Aramis war unter anderem die elektronische Kopplung der Kabinen. Diese konnten sich nach Bedarf, zum Beispiel an Weggabelungen, selbständig zusammenführen und trennen. Das PRT-System „Aramis“ wurde 1987 wieder eingestellt.

Das Comeback: Der PRT in Masdar City

Nachdem es einige Jahr ruhig wurde, feierte das System des Public Rapid Transit ein furioses Comeback. In der Planung der Ökostadt Masdar City nahm der PRT eine zentrale Rolle ein. Ursprünglich war ein weit verzweigtes Personal-Rapid-Transit-Netz für den Personenverkehr, sowie für den Waren- und Gütertransport gedacht. Das PRT-Netz sollte in Masdar City und zwei weiteren Stadtteilen von Abu Dhabi verkehren. Leider konnte das ambitionierte Ziel bis heute nicht ansatzweise umgesetzt werden. Stand 2018 gibt es in Masdar City nur einen Streckenabschnitt mit einer Gesamtlänge von 1,4 Kilometern, welcher auch nur zwei Stationen miteinander verbindet. Die Strecke wurde am 28. November 2010 eröffnet und ist für Besucher Masdar Citys in Betrieb.

PRT Kabine in Masdar, Foto: 2getthere.eu
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PRT London-HeathrowPRT Masdar CityPRT West Virginia University
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