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Personal Rapid Transit – die Zukunft des Personenverkehrs?

Wie ein Konzept aus den 50er Jahren die Urbane Mobilität revolutionieren könnte

Von London Heathrow bis Guadalajara – der PRT im Einsatz

Nach der Jahrtausendwende gab es zahlreiche Verkehrsprojekte, bei denen der PRT eine Rolle spielte bzw. spielen sollte. Die meisten dieser Projekte wurden allerdings niemals umgesetzt. Trotzdem scheint sich der Personal Rapid Transit als alternatives Verkehrsmittel doch noch durchzusetzen. Seit 2011 gibt es das erste kommerzielle PRT-System am Flughafen London-Heathrow. Das Heathrow-Pod-System verbindet auf einer vier Kilometer langen Strecke den „Business Car Park“ mit dem Terminal 5. Die Kabinen der Heathrow PODs bieten Platz für vier Personen inklusive Gepäck. Die London-Pods sind per Touchscreen bedienbar und fahren vollständig elektrisch und autonom.  Laut Hersteller „Ultra Global PRT“ beträgt die Wartezeit vom Rufen bis zum Eintreffen der Pods maximal zehn Sekunden. Der Public Rapid Transit am Flughafen London-Heathrow fährt sieben Tage die Woche, jeweils 22 Stunden am Tag.

PRT Kabine London-Heathrow, Foto: BAA Limited / David J. Osborn

ModuTram Personal Rapid Transit in Guadalajara, Mexico

Seit 2015 betreibt das mexikanische Unternehmen ModuTram eine PRT-Teststrecke in Guadalajara. Die fahrerlosen Kabinen verfügen über sechs Sitzplätze. Die Kabinen können zu Mini-Zügen kombiniert werden und so bis zu zwölf Personen Platz bieten.

West Virginia University’s PRT

Der West Virginia University Personal Rapid Transit ist seit 1975 in Betrieb. Seitdem wurden laut Betreiber 83 Millionen Personen mit dem PRT befördert! Die insgesamt 71 Kabinen verfügen über jeweils acht Sitzplätze und können mit Stehplätzen insgesamt bis zu 20 Personen befördern. Das PRT-System verbindet fünf Stationen vom Campus der Universität bis zur „Walnut Street Station“ Downtown. Die Fahrtdauer der Gesamtstrecke beträgt elf Minuten. Eine Fahrt kostet maximal 50 Cents. Wer einen gültigen Studentenausweis der West Virginia Universität besitzt kann den PRT kostenlos nutzen.

SunCheon PRT „SkyCube“, Südkorea

Der SkyCube verkehrt seit 2013 auf einer Strecke von 4,5 Kilometern und verbindet den Suncheon Wetlands Park mit dem National Garden. Das PRT-System in Suncheon City, Südkorea, verfügt über 40 Fahrzeuge und fährt in zwei Richtungen. Die Kabinen sind mit sechs Sitzplätzen ausgestattet und bieten jeweils Platz für bis zu zehn Personen.

Der PRT in Deutschland – Chance oder Utopie?

Nicht zuletzt wegen des Dieselskandals und steigernder Schadstoffbelastung wird auch für deutsche Großstädte nach neuen Verkehrskonzepten gesucht. Ob der Personal Rapid Transit – in welcher Form auch immer – eine Chance hätte, ist fraglich. Realistisch betrachtet gibt es für die Errichtung von PRT-Strecken drei Möglichkeiten:

  • unterirdisch: ein unterirdischer Streckenverlauf eines PRT-Systems (wie in Masdar) würde in direkter „Konkurrenz“ zu U-Bahn-Trassen stehen. Ein unterirdischer Umbau oder gar Neubau würde wohl keinen Sinn machen, da mit U-Bahn-Zügen wesentlich mehr Menschen befördert werden können als mit den eher kleinen PRT-Kabinen.
  • als Hochbahn: ein Public Rapid Transit System als Hochbahn anzulegen (wie in Suncheon, West Virginia und Guadalajara), würde die größten Möglichkeiten bezüglich Streckenverlauf bieten. Der Flächenverbrauch wäre eher gering, da die Strecke auf Betonpfeilern einige Meter über dem Boden fahren könnte. Doch genau da liegt wohl auch das größte Problem: Der Transrapid ist nicht zuletzt wegen dieser Art der Trassenführung am Protest der Bevölkerung gescheitert.
  • ebenerdig: eine ebenerdige Installation von PRT-Strecken wäre zum Beispiel neben bestehenden Straßen oder auf alten Schienentrassen möglich. Auch ein kompletter Neubau statt einer Auto-Straße wäre machbar. Zudem könnte der PRT in Innenstädten den individuellen Autoverkehr problemlos ersetzen. Dass sich in einem Autoland wie Deutschland die Autofahrer „verdrängen“ ließen, ist allerdings eher fraglich!
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Quelle
PRT London-HeathrowPRT Masdar CityPRT West Virginia University
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