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Siemens testet autonomes Fahren in München

Das Projekt soll nachweisen, wie durch autonome Elektrofahrzeuge die Sicherheit und Effizienz im Straßenverkehr verbessert werden kann.

Im November 2018 startete Siemens Mobility einen Feldversuch für autonomes Fahren auf seinem Werksgelände in München-Perlach. Im Rahmen eines Forschungsprojekts wurde ein Rundkurs auf dem Campus aufgebaut, der das Simulieren verschiedener Verkehrssituationen unter realtypischen Bedingungen ermöglicht.

Kooperation mit mehreren Partnern

Die Kooperationspartner für das Forschungsprojekt heißen IAV GmbH, Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM) e.V., emm Solutions GmbH, UTB Projektmanagement GmbH und TU München. Die jeweiligen Partner befassen sich mit unterschiedlichen Aufgaben:

  • Das Institut für Klima, Energie und Mobilität (IKEM) befasst sich mit rechtlichen Fragestellungen rund um das autonome Fahren und erforscht gemeinsam mit Siemens Mobility Betreiber- und Geschäftsmodelle, die sich aus den technischen Entwicklungen ergeben.
  • Die IAV GmbH entwickelt den Prototyp eines barrierefreien, autonom fahrenden Shuttles.
  • Die TU München betrachtet mittels mikroskopischer Simulation die verkehrliche Auswirkung unterschiedlicher Autonomie-Ausprägungen.
  • Das Berliner Projektentwicklungsbüro UTB geht im Rahmen einer Akzeptanzstudie der Fragestellung nach, wie Menschen auf autonome Fahrzeuge reagieren und inwieweit die technologische Entwicklung darauf Rücksicht nehmen muss.
  • Die emm Solutions GmbH stellt ihre hochautomatisierten Elektrofahrzeuge, ILO1, zur Verfügung, die dazu beitragen, die Umfelderfassung, Geopositionierung und Kommunikationsleittechnik zwischen Fahrzeug und Infrastruktur zu verbessern. Zusätzlich wird das Fahrverhalten vorsimuliert. 
  • Siemens Mobility übernimmt die Gesamtintegration, die straßenseitige Infrastruktur, die cloudbasierten Software-Services und evaluiert mögliche Geschäfts- und Betreibermodelle.

Zusammenspiel von autonomen Fahrzeugen und intelligenter Infrastruktur

Gemeinsam wollen die Partner das Zusammenspiel von Straßen-Infrastruktur, cloudbasierten Software-Services und autonomen Elektrofahrzeugen erproben. Beim Feldversuch in München kommen mit einem hochautomatisierten Einsitzer sowie einem Shuttlebus zwei unterschiedliche Fahrzeugtypen zum Einsatz. Für den Testzeitraum wurden auf dem Siemens Campus in München-Perlach entlang der Strecke Masten mit Laserscanner-, Radar- und Kameratechnik errichtet. Diese sollen das Verkehrsumfeld erfassen und eine exakte Lokalisierung der Fahrzeuge ermöglichen.

Mit den Erkenntnissen aus dem Forschungsprojekt will sich Siemens verstärkt auf das Geschäftsfeld autonom fahrender Fahrzeuge konzentrieren: „Mit unserer Infrastruktur liefern wir einen entscheidenden Baustein für eine sichere und effiziente On-Demand-Mobilität, nicht nur im städtischen, sondern auch im ländlichen Raum“, so Michael Peter, CEO von Siemens Mobility. Ein ähnlicher Test unter Realbedingungen findet seit einiger Zeit im niederbayrischen Kurort Bad Birnbach statt. Dort fährt der erste autonome Elektrobus im öffentlichen Nahverkehr – und zwar ohne Beteiligung von Siemens!

Mehr Sicherheit durch autonome Fahrzeuge?

Das Projekt dient unter anderem dazu, die Sicherheit und Effizienz im Straßenverkehr durch autonome Elektrofahrzeuge zu verbessern. Erprobt wird der für die Straße höchste Autonomielevel 5, bei dem keinerlei Eingriff durch Fahrer erfolgt. Hierfür stellt die intelligente Infrastruktur von Siemens Mobility den Fahrzeugen ständig umfassende Informationen zur Verfügung, beispielsweise über die Verkehrslage oder über andere Verkehrsteilnehmer auf der Strecke. Die straßenseitig installierte Infrastruktur ermöglicht es, potentielle Risiken zu erkennen, damit das autonomes Fahrzeug frühzeitig darauf reagieren kann. Dadurch lässt sich generell der Verkehrsfluss verbessern und Stau vermeiden.

Die Kommunikation zwischen autonomem Fahrzeug und intelligenter Infrastruktur erfolgt über die standardisierte und bereits umfassend erprobte WLANp-Technologie (ITS-G5). Das Gesamtsystem wird ergänzt durch Software-Lösungen, die beispielsweise den Fahrgästen der autonomen Fahrzeuge Infos über die Reiseroute per App senden.

Das Forschungsprojekt „Optimiertes Transportsystem basierend auf selbstfahrenden Elektrofahrzeugen (OTS 1.0)“ wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) gefördert. Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines Mobilitätssystems, das die erste und letzte Reisemeile mit autonomen Fahrzeugen bedient. Diese letzte Meile, also beispielsweise der Weg vom Bahnhof zu einem gewünschten Ziel in der Stadt, ist heute oftmals eine Angebotslücke im ÖPNV.

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