Urbane MobilitätVisionen

Wattway – die Energie liegt auf der Straße

Am 22. Dezember 2016 eröffnete die damalige französische Umweltministerin Ségolène Royal die erste Solarstraße der Welt. Der ein Kilometer lange Straßenabschnitt in der nordfranzösischen Kleinstadt Tourouvre-au-Perche ist auf einer Fläche von rund 2.800 Quadratmetern mit Photovoltaik-Paneelen belegt. Das weltweit erste Projekt dieser Art wurde mit staatlichen Subventionen in Höhe von fünf Millionen Euro finanziert und stand von Anfang an in der Kritik.

In fünf Jahren Forschungsarbeit entwickelte das französische Unternehmen Colas neuartige Photovoltaik-Paneele, die ohne besonderen Aufwand in Form von Platten auf den Asphalt geklebt werden. Dank spezieller Schutzharzbeschichtung sind die Strom erzeugenden Siliziumplatten robust genug, um selbst dem Gewicht schwerer Lkw Stand zu halten.

Der vom Wattway erzeugte Strom wird direkt in das lokale Stromnetz eingespeist. Laut Colas reicht eine Fläche von 20 Quadratmetern aus, um ein Einfamilienhaus mit Strom zu versorgen. Ein Wattway mit einem Kilometer Länge soll genug Strom für die Straßenbeleuchtung einer 5.000 Einwohner Stadt erzeugen. Wattways, die an Parkplätzen verlegt sind, könnten direkt den Strom für Ladesäulen von E-Autos erzeugen.

Tausend Kilometer in fünf Jahren

Die Euphorie der Politik über Strom erzeugende Solarstraßen war zum damaligen Zeitpunkt enorm. So plante das französische Umweltministerium, vor allem in Person von Ségolène Royal, Ende 2016 noch den Bau von 1.000 Kilometern Solarstraße in fünf Jahren. Diese Euphorie wurde allerdings bald von der Realität eingeholt. Die Baukosten für einen Kilometer Wattway liegen aktuell bei rund fünf Millionen Euro. Die kolportierten eintausend Kilometer Asphalt mit Sonnenkollektoren zu belegen würde also fünf Milliarden Euro kosten. 

Der Solarstraße fehlt noch die Effizienz

Beim Wattway in Tourouvre-au-Perche wurde ursprünglich mit einer erzeugten Strommenge von 800 kWh pro Tag kalkuliert. Aktuell produziert die erste Solarstraße der Welt im Schnitt nur rund 410 kWh pro Tag. Schatten, Reifenabrieb, Schmutz und das Kollektoren-Schutzglas beeinflussen die Höhe der gewonnenen Strommenge erheblich. Vor allem die flache Lage der Solarpanele auf der Fahrbahn sorgt für hohe Einbußen im Vergleich zu gewöhnlichen Solarpanelen auf Hausdächern. So liegt der optimale Aufstellwinkel für Dach-Solaranlagen in Deutschland bei rund 30 Grad.

Die Forschung geht weiter

Die erste Euphorie über Solarstraßen mag verflogen sein. Doch die Wattway-Entwickler arbeiten nach wie vor intensiv daran, die Produktionskosten der Photovoltaikpanele zu senken und gleichzeitig die Effizienz zu erhöhen.

Weil Solarstraßen die Stromproduktion rund um regenerative Energie komplett revolutionieren könnten, bleibt zu hoffen, dass der Wattway irgendwann tatsächlich den Markt erobert. Mitte Mai 2019 stellt Colas seinen innovativen Wattway auf der Intersolar in München vor. 

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